Nun auch im Winter, wenn es schneit

Ab nächstem Jahr darf man sich auch zur Winterszeit auf Festspiele in Erl freuen und ebenso in den Passionsspieljahren nicht auf sie verzichten müssen. Die Tiroler Festspiele unter ihrem künstlerischen Leiter Gustav Kuhn bekommen ein Haus, das ganzjährig bespielt werden kann und darüber hinaus für Proben zur Verfügung steht.

Erbaut wird es vom Wiener Architektenteam Delugan Meissl, das dem markanten, weithin als landmark schlechthin geltenden Erler Passionsspielgebäude, einen kongenialen Baukörper gegenüber stellen wird. Die Kulturredaktion durfte dem Architekten Roman Delugan einige Fragen in Zusammenhang mit der neuen „Winter Festival Hall„ stellen:

Im Jahr 2007 ging Delugan Meissl als Sieger aus dem Architekturwettbewerb um das Winterhaus in Erl hervor. Nach einer Pause präsentierte man nun wieder ein Projekt. Ist es identisch mit dem aus dem Jahr 2007 oder gab es Überarbeitungen?

Eine zentrale konzeptuelle Veränderung bestand im Abrücken des Winterfestspielhauses vom baulichen Bestand sowie in der Konkretisierung der einzusetzenden Materialien.

In einem Artikel auf BauNetz.de (vom 23.2.) wird der geplante Baukörper mit einem „Kampfjet im Tiefflug, der auf einen weißen Zylinder-Turm zurast“ verglichen. Der Passionsspielverein, Hausherr des weißen Zylinder-Turms nebst Dornenkrone, könnte den Vergleich vielleicht nicht ganz so griffig finden. Wieweit bezieht sich mit Ihren Worten das neue Projekt  auf das Passionsspielhaus von Robert Schuller?

Form und interne Organisation des Winterfestspielhauses nehmen die landschaftlichen Gegebenheiten sowie die dynamische Geste des historischen Baues von Robert Schuller in sich auf. Bestand und Neubau orientieren sich zueinander, ergänzen und erhöhen die jeweilige bauliche Artikulation dieser landschaftlichen Bezugnahme, treten in atmosphärischen Dialog.

Sie stellen dem runden, geschwungenen Baukörper Schullers mächtige Kanten gegenüber. Ein bewusst starker Kontrast, der sich worin begründet?

Entwurfsprozesse werden unweigerlich von der räumlichen Erfahrbarkeit durch den zukünftigen Nutzer geleitet. Ihre bauliche Konzipierung und kontextuelle Anknüpfung an Vorhandenes entspricht Organismen im übertragenen Sinne, die als zielgerichtete Teile eines Gesamtsystems in Wechselbeziehung mit ihrer Umgebung stehen. Die Gültigkeit dieser Parameter erfüllt sich unabhängig der funktionellen Bestimmung einer Bauaufgabe. Am Beispiel des Winterfestspielhauses verstärken landschaftliche Implementierung sowie formaler Dialog zwischen Alt und Neu diese atmosphärische Interaktion.

Ist das Passionsspielhaus mit dem neuen Nachbarn direkt verbunden - etwa durch unterirdische Gänge?

Nein, das ist nicht vorgesehen.

Wird das neue Haus, neben einem Bühnenraum, auch noch über andere Räumlichkeiten verfügen? Etwa über Probenräume, Garderoben, etc.  – kurz über Gegebenheiten, auf die man im Rahmen der bisherigen Tiroler Festspiele Erl verzichten musste, die aber für einen modernen Festivalbetrieb unerlässlich sind.

Passionsspielhaus und Winterfestspielhaus ergänzen einander in funktioneller Hinsicht, so werden beispielsweise Proben für die Passionsspiele zukünftig im beheizbaren Neubau stattfinden. Der erforderte Raum- und Funktionsbedarf zielte von Anfang an auf symbiotische Nutzungsmöglichkeiten beider Gebäude ab. Insgesamt wird eine Nutzfläche von 7.000 Quadratmetern zur Verfügung stehen, der Bühnenraum ca. 800 Besuchern Platz bieten. Der Orchestergraben übertrifft mit seinen 160 Quadratmetern den der Wiener Staatsoper.

Wie sieht der Realisierungszeitraum aus? Wann wird der Bau begonnen und wann wird er fertig sein?

Die Bauarbeiten sind seit einigen Wochen im Gange, das Winterfestspielhaus wird Ende 2012 fertig gestellt.

www.tiroler-festspiele.at

www.deluganmeissl.at

Bilder
Kontakt:
Tiroler Festspiele Erl
Mühlgraben 56a
6343 — Erl

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