Fastnacht, Fasching, Fastenzeit...

Gibt es nun in Tirol die Fastnacht oder den Fasching? Und wie verhält es sich mit der anschliessenden Fastenzeit? Endet mit dem Aschermittwoch wirklich der ganze Spaß?

Also, es gibt im Tiroler Brauchgeschehen sowohl die traditionelle Fastnacht als auch den Fasching. Die überlieferten alten Fastnachten wie etwa das Schemenlaufen, das Mullergehen, das Blochziehen oder das Wampelerreiten, sind bestimmt von Traditionen, einem geregeltem Ablauf und Aufführungen, die in einem bestimmten Jahreszyklus stattfinden. Bezeichnend für diese Bräuche sind zudem die doch penibel eingehaltene Organisation und der Aufwand: nicht selten arbeiten die einzelnen Gruppen mehr als ein Jahr an ihrem Auftritt bzw. dem Umzug.
Daneben hat aber auch der Fasching im Tiroler Brauchgeschehen Einzug gehalten. Fasching und Fastnacht haben dabei eines gemeinsam: Ein närrisches Treiben und die Lust am Feiern, bevor die streng reglementierte Fastenzeit beginnt.
Faschingsumzüge finden vorwiegend in den Tiroler Städten statt – man orientiert sich hier in einem gewissen Ausmaß an den deutschen Karnevalsumzügen. Diese Aufführungen sind relativ jung und daher nicht von alten Traditionen bestimmt. Während bei den klassischen Fastnachten die Frauen nicht als Aktive teilnehmen dürfen, ist man bei den Faschingsumzügen viel „toleranter“. Hier gibt es keine „überlieferten“ Auflagen, ob alt oder jung, ob männlichen oder weiblichen Geschlechtes – wer will, darf mitwirken.
Zum bunten Tiroler Faschingsgeschehen gehören aber auch Veranstaltungen wie Bälle, die vorwiegend an den Wochenenden oder an den klassischen Faschingsterminen wie am Unsinnigen Donnerstag stattfinden. Ganz nebenbei – die Weiberfastnacht am Unsinnigen Donnerstag ist kein Importgut aus dem rheinischen Karneval. Es gibt etwa einen historischen Bericht aus dem 17. Jahrhundert von Ladis im Tiroler Oberland, wo u.a. die Männer des Ortes gewarnt werden, an diesem Abend Gasthäuser aufzusuchen – zu wild und ungestüm sollen die Frauen hier feiern...
Mit dem Aschermittwoch endet die lustvolle Zeit. Aber ist das wirklich und überall in Tirol so? Nein, denn der Funkensonntag nach dem Aschermittwoch mit dem Hexenverbrennen und dem Scheibenschlagen erinnert noch an die alte Fastnachtszeit. Früher hielt man sich noch an die 40 Tage Fastenzeit und die Fastnacht war dementsprechend länger. Erst mit dem Konzil von Benevent wurde die Fastenzeit auf die heute übliche Zeitspanne festgesetzt: Die Sonntage wurden als „klassische“ Fastentage nicht miteingerechnet und so fastet man heute eigentlich nicht 40 sondern 46 Tage.
Reste dieser einstmals längeren Fastnachtszeit sind so das Hexenverbrennen, vor allem aber das Scheibenschlagen im Tiroler Oberinntal und Außerfern. Hier wird am Abend, bei Einbruch der Dunkelheit gefeiert. Die angebotenen Speisen wie üppige Kiachln oder die Getränke sind dabei keineswegs Fastennahrung. Die Devise heißt: Noch einmal feiern und genießen bevor endgültig die Fastenzeit beginnt.

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