Kontaktdaten

TVB Patsch
patsch@innsbruck.info

Tel. +512.377332

Dorfstraße 22
6082 Patsch

www.tiscover.at/patsch

Ostergrab in Patsch

Tiefe Trauer, große Freude: Die österliche Volksfrömmigkeit hat in den Heiligen Gräbern ihren schönsten Ausdruck gefunden. Das Grab in Patsch ist eins davon.

Christus nahe zu sein, seiner Passion nahe zu sein, war seit jeher das wichtigste Motiv, um zu den Orten des Geschehens rund um Jerusalem zu pilgern. Golgatha, die "Schädelstätte", wo das Kreuz stand, und die Grabkammer, wo Christi Leichnam für die kolportierten vierzig Stunden ruhte, bildeten dabei die Zentren der Verehrung. Im Laufe der Zeit wurde das Grab architektonisch gefasst und mit einer Kirche überbaut: Vorbild für die im Laufe des Mittelalters und noch viel stärker im späteren Barock, auch in unseren heimischen Gefilden entstehenden prächtigen "Kulissengräbern". Tatsächlich befriedigten diese Gräber zunächst einmal die fromme Schaulust. Die meterhohen, bunt gemalten Staffagen; die vor allem abends zur Geltung kommenden brennenden Kerzen in den bunt leuchtenden gläsernen Grabkugeln; die Szenen aus dem Alten und aus dem Neuen Testament - all dies machte den österlichen Kirchenbesuch zu einem sinnlichen Erlebnis, der weit über die einfache Liturgie hinausging. Auf vielleicht fast schon übertriebene Weise erfüllte sich so Jesajas Prophetenwort: "Und sein Grab wird herrlich sein!" (Jes, 11,10)

Man braucht kein Bibelfex zu sein, um auf diese Stelle zu kommen, prangt sie doch ausgeschrieben und unübersehbar im Scheitel des ersten Kulissenbogens des hl. Grabes in der Pfarrkirche von Patsch. Es ist, als ob der malende Kurat Johann Nepomuk Pfaundler, dem wir dieses Werk (um 1782) verdanken, auf den Umstand der Prächtigkeit auch seiner Arbeit noch extra hinweisen möchte - dabei genügt schon seine Präsenz allein, die in den eher beengten Räumlichkeiten der Kirche voll zur Geltung kommt. Durch zwei Staffelbögen hindurch fällt der Blick auf die abschließende Rückwand, welche die zwei entscheidenden Szenen enthält: Zunächst das bekannte Motiv von Adam und Eva im Sündenfall begriffen - dieser ist ja Auslöser der Vertreibung und Ursache von Tod und Verdammnis. Eben der Sündenfall machte auch die Menschwerdung Christi, seine Kreuzigung, seine Grablegung und sein Auferstehen als erlöserische Großtat erst nötig. Das "Grab" ist damit das zweite Motiv auf der Rückwand. Aber wir wären nicht mitten im Volksbarock, wenn nicht auch noch ein wenig Theater gespielt würde. Im Falle von Patsch heißt das, daß das Grab ab Karfreitag den "Leichnam" Christi enthält und dieser für die Trauerklagen sichtbar freigegeben ist. Während der abschließenden Auferstehungsfeier passiert nun folgendes: Zunächst senkt sich die prächtige, kerzenstrahlende Gloriole vom zweiten Kulissenbogen herab und verdeckt Grab. Dieser Umstand wird genützt, um den "Leichnam" seitlich aus dem Grab zu ziehen und dieses also zu leeren. Anschließend wird die Gloriole wieder nach oben gezogen und das leere Grab präsentiert: Die Auferstehung war erfolgreich, Christus und damit die gesamte Christenheit haben über den Tod triumphiert. Wer ein wenig für volksfrommen Theaterdonner übrig hat, der ist hier in Patsch so wie in den vielen anderen Heiligen Gräbern in Tirol an der richtigen Stelle. Neben der Schaulust sollte man allerdings zumindest auf einen Moment der Andacht nicht vergessen: schaden kann´s auf keinen Fall! Öffnungszeiten: Das Heilige Grab in der Pfarrkirche Patsch ist aufgestellt von Montag nach Palmsonntag bis Donnerstag nach Ostern