Im grünen Reich der Sinne

Begibt man sich in Innsbruck auf die Suche nach Kaiserin Maria Theresia, so wird man zielstrebig den Schritt Richtung Hofburg lenken, die Residenz, der die legendäre Habsburgerin das heutige Aussehen verlieh. Doch auch im Hofgarten kann man Maria Theresia begegnen, dort mit Baumkrone und in Gestalt einer 35m hohen, liebevoll nach der Regentin benannten Fichte. Sie ist eine von insgesamt vier über 200 Jahre alten Bäumen im Bestand der zauberhaften Gartenanlage inmitten der Stadt.

Der Hofgarten zählt zu den ältesten Gartenanlagen Österreichs, seine Geschichte lässt sich bis ins Jahr 1410 zurückverfolgen. Ursprünglich als Ertragsfläche von den Habsburgern erworben, verwandelten diese ihn etwas später in einen der opulentesten Renaissancegärten des süddeutschen Raumes. Unter Maria Theresia wurde der Garten barockisiert und im 19. Jh. nach den Prinzipien eines Englischen Landschaftsgartens neuerlich umgestaltet. Seit 2001 steht die Anlage unter Denkmalschutz. Mit seinem alten Baumbestand, dem 1733 erbauten Musikpavillon und den diesen östlich und westlich flankierenden kleinen Brunnen, lädt der Hofgarten das ganze Jahr über zum Lustwandeln ein. Stamm- und Dauergäste schwärmen zu Recht von seiner immensen Wandlungsfähigkeit, selbst übelstes Wetter kann die Ausdruckskraft des Gartens nicht schmälern.

Der Pracht liegt eine akkurate Pflege und Hingabe zugrunde, immerhin kümmern sich Jahr und Tag an die 12 Mitarbeiter, Angestellte der Österreichischen Bundesgärten, um die 9ha Park, säen, jäten, pflanzen und gießen unermüdlich, beaufsichtigen den Garten, betreuen die Gärtnerei, in der keine Handelsware, sondern ausschließlich Eigenproduktion angeboten wird und kümmern sich überdies um das dazugehörige Palmenhaus, das auf 470m2 (und drei Temperaturzonen) 7000 Pflanzen aus 1700 verschiedenen Arten präsentiert. Ein kleines grünes Imperium, dem Dipl.-HFLF-Ing. Herbert Bacher, Leiter der Innsbrucker Bundesgärten-Verwaltung, vorsteht. Der gelernte Gärtner spricht mit unverkennbarer Leidenschaft über „seinen“ Garten, man spürt sofort, hier kennt jemand jeden Zentimeter, nein, jeden Grashalm des Anwesens. Welche Blumen angepflanzt werden, entscheidet er keineswegs im Alleingang, vielmehr unterliegt die jährlich wechselnde Bepflanzung einem gemeinsamen Beschluss der Mitarbeiter. Jeder ist eingeladen kreativ zu sein. Besonderes Augenmerk gehört dabei dem runden Beet am Haupteingang, dem „Willkommensbeet“, in dem Pflänzchen bisweilen so gesetzt werden, dass sie Schriften oder Ornamente ergeben und sich somit auf allfällige Jubiläen oder sonstige Feierlichkeiten beziehen. Doch gewechselt wird nur der Grünwuchs, die Formen der Beete im Hofgarten sind historisch und unterliegen somit auch dem Denkmalschutz.

Das Palmenhaus birgt Herbert Bachers großen Stolz – eine Victoria regia, die größte tropische Seerose, deren eigentliche Heimat das ferne Brasilien ist. Noch ist sie nicht eingezogen, denn sie wird alljährlich neu angepflanzt, doch das Becken in dem sie in Kürze majestätisch schwimmen wird, ist schon vorbereitet und wartet sehnsüchtig auf das Eintreffen der heurigen Victoria regia. Ein solch überaus attraktives wie anspruchsvolles Gewächs zu besitzen, begründet gewissermaßen den guten „Ruf“ eines  Palmenhauses. Bis vor einigen Jahren lebten nicht minder exotische Tiere im Palmenhaus, die an extremes Klima gewohnten Halsbandsittiche. Annähernd 100 Stück davon wurden in einer Villa im Stadtteil Saggen gehalten, entkamen dort und fühlten sich vom Palmenhaus magisch angezogen. Leider nahm der Tierbestand im Laufe der Zeit ab, sodass wir uns heute nur mehr an den lebhaften Schilderungen jener erfreuen können, die die Tiere vor einigen Jahren noch erleben durften. 

www.bundesgaerten.at

Bilder
Daten und Fakten:
Region
Tirol
Ort
Innsbruck