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Die Bilderwelt der Fastenkrippe in Götzens

Qualitätvoll, detailreich und szenisch überwältigend, so präsentiert sich das um 1800 geschaffene Meisterwerk in der Pfarrkirche.

Anders als ihre weihnachtlichen Pendants feiern die Fastenkrippen ein weit blutigeres, brutaleres und damit auch ergreifenderes Geschehen: die Passion Christi. Eingefangen werden Bilder, die unter die Haut gehen und den staunenden Gläubigen die Tragweite eines einmaligen und unwiederholbaren Ereignisses bewusst machen sollen. In direkter Ablöse der großen volkstümlichen Osterschauspiele versenken die Krippen in meditative Betrachtung, doch ohne der Möglichkeit zur körperlichen Katharsis, welche die Selbstgeißler und –peiniger einst selbst „genossen“ haben. So ausufernd die Ereignisse rund um die Passion waren, so ausufernd sind die Szenen und Bildgestalten, mit denen diese Geschichte erzählt wird. Über 250 Figuren aus bemaltem Papier, ca. 16-18 cm hoch, braucht die Krippe in Götzens dazu. Aus der Hand Georg Hallers (1772-1838) stammend, haben sie ihren Auftritt in einem historisch gut eingefühlten Krippenberg (Franz Eigentler um 1912) und Hintergrund (Franz Pernlochner um 1913).

Fünfundreißig Einzelszenen werden hier dramatisch zur bewegenden Aufführung gebracht. Sie hebt an mit Christi Abschied von seiner Mutter, den Jüngern, führt zu Verrat, Folterung und Prozeß und hat ihren Höhepunkt in der Kreuzigung. Die Auferstehung selbst, als eigentliche Krönung des gesamten Erlösungsprozesses, findet sich szenisch in der Kreuzabnahme, der Grablegung und abschließend in der Figur des siegreich Auferstandenen in der zentralen oberen Mitte. Auffallend ist aber, dass die Figur des Judas in Götzen besonders herausgearbeitet ist: neben Christus hat er die meisten (fünf) Auftritte - Verrat des Judas, Judaskuß, die 30 Silberlinge, seine Verzweiflung und seine Reue, die letztlich zum Selbstmord durch Erhängen führen. Gerade sein Selbstmord wird erzählerisch betont, indem ihm noch das Auftreten von Teufeln in Tiergestalt, darunter ein katzenartiger mit dem Beutel mit den 30 Silberlingen, beigesellt sind. Judas als tragische und, als treibende Kraft in der Erlösungsgeschichte, leider oft auch theologisch verkannte Gestalt. Die Götzner Fastenkrippe sollte unbedingt mit Muße besucht werden, schnelles Hinschauen genügt nicht. Hilfreich ist auch die Mitnahme, oder besser noch das Vorab-Studium des Neuen Testamentes – der durchschnittlich gebildete Zeitgenosse ist angesichts der Bilderfülle sonst heillos überfordert! Die Götzner Fastenkrippe ist von Aschermittwoch bis Ostern in der Pfarrkirche zu sehen.