Lichterprozession zu Martini

Am 11. November feiern Kinder den Hl. Martin mit einem besonderen Brauch: In Lichterprozessionen ziehen sie mit leuchtenden Laternen durch die Tiroler Gemeinden.

Einstmals war der Martinstag ein wichtiger Termin vor allem für die bäuerliche Bevölkerung. Es war der Zeitpunkt für Zinsabgaben und man konnte sich vor der nun beginnenden „kleinen Fastenzeit“, die bis Weihnachten andauerte, noch einmal richtig mit allen möglichen Spezereien (nicht zuletzt Fleisch) sattessen. Reste dieses ehemals so einprägsamen Termins sind heute das traditionelle „Martiniganslessen“ für die Erwachsenen und für die Kinder die Lichterprozessionen. Seit wann man diese Lichterumzüge zu Martini praktiziert, liegt bis dato im sprichwörtlichen Dunkeln. Fest steht allerdings, dass man an diesem Tag in den Evangelienlesungen der katholischen Kirche immer wieder Bezug auf das „Licht“ nimmt. So nachzulesen etwas bei Lukas 12, 35f.: „Eure Lenden sollen umgürtet sein und eure Lampen sollen brennen.“ Die breite Bevölkerung dürfte diese Bibelstelle in Form eines Brauches praktisch umgesetzt haben, nicht zuletzt um den Hl. Martin als volkstümlichen Heiligen quasi aufzuwerten. Heute sind es die Kinder, die diesen Lichterbrauch ausüben. In den Kindergärten und Volksschulen werden Tage vor dem Termin liebevoll Papierlaternen gebastelt und farbenfroh verziert. Am 11. November dann, bei Einbruch der Dunkelheit, ziehen die Kinder in Prozessionen durch den Ort und singen: „Ich geh‘ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir. Dort oben leuchten die Sterne und unten da leuchten wir...“