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Holzschindeldächer - gut behütet in Tirol

Ja, man findet sie noch in Tirol – Dächer, die mit Holzschindeln gedeckt sind und somit traditionelle Baukultur vermitteln.

Von Heimatfilmen, Bildbänden und Almdokumentationen sind sie hinlänglich bekannt: Die (zumeist) romantisch gelegenen Bauernhöfe und Almhütten mit Holzschindeldeckung. Kein Ziegelwerk oder gar Blechplatten stören den nach alpenländischer Kultur ausgerichteten Blick. Dabei ist Holzschindeldach nicht gleich Holzschindeldach. Grundsätzlich gehören die Holzschindeldächer zu den sogenannten Weichdächern. Dabei verwendet man bei diesen Dachkonstruktionen „Leg- bzw. Schwarschindeln“ oder „Nagel- bzw. Scharschindeln“. Wie der Name schon sagt, werden beim Legschindeldach mehrere Reihen von Holzschindeln schuppig übereinander gelegt. Um das mögliche Abrutschen der Schindeln zu vermeiden, beschwerte man diese mit Steinen und nicht zuletzt den waagrecht aufliegenden „Schwarstangen“ (= Stangen, die „beschweren“ sollten). 30 bis 50 Jahre kann ein solches Dach halten – dies nicht zuletzt deshalb, weil man die Schindeln durch das Umdrehen öfter benutzen konnte. Bei den Nagelschindeldächern verzichtete man auf die Steine bzw. Stangen und befestigte die Holzplatten mit Holz- und später mit Drahtstiften bzw. Metallnägeln. Diese Holzschindeln waren zwar besser befestigt, die Haltbarkeit entpuppte sich aber als geringer. Holzschindeldächer erleben seit einigen Jahrzehnten wieder eine Renaissance. Es gibt (wieder) Handwerker, die sich auf diese Technik spezialisieren und auch der Werkstoff Holz wird mehr geschätzt. Nicht nur in Museen (wie etwa dem Bauernhöfemuseum in Kramsach) hält sich daher diese traditionelle Baukultur am Leben. Und man muss kein Nostalgiker sein, um sich an dieser – für die Alpenländer so typischen – „Behütung“ zu erfreuen. Denn die Kombination von Holzbauweise und Holzdach zeugt von feinsinniger Ästhetik.