Gemeinsamer Sturm auf die Burg

Wenn sich alle Familienmitglieder nach getanem Ausflug müde aber wohl gelaunt zuhause niederlassen, dann war es eine gelungene Unternehmung. Wer Kinder hat, weiß zu berichten, dass die geschilderte Form der Zufriedenheit gar nicht so leicht herzustellen ist. Denn meist divergieren die Intentionen von Groß und Klein erheblich. Es gilt also ein Ausflugsziel zu finden, das allen Interessen gerecht wird. Da bietet sich die Burgenwelt Ehrenberg bei Reutte an, die sich laut Eigendefinition und mit Fug und Recht als „Familienerlebnis“ bezeichnet.

Das Burgenensemble Ehrenberg umfasst vier Bauwerke: die Klause und einstige Talsperre, die Ruine des Schlosses, das Meinhard II. errichten ließ, das Fort der Claudia de Medici und die Festung am Schlosskopf. Das Gelände ist absolut sturmerprobt und war immer wieder heiß umfehdet: die Religionskriege Mitte des 16. Jhs., der Dreißigjährige Krieg 1632 und der Spanische Erbfolgekrieg 1703 hinterließen ihre Spuren. Vor nunmehr 17 Jahren erwachte das Bewusstsein um den unschätzbaren Wert einer solch geschichtsträchtigen Stätte und man begann das Ensemble behutsam zu revitalisieren. Ehrenberg wurde zur höchst geförderten Kulturbaustelle des Landes und der Verein Burgenmuseum gegründet, der sich um die anschließende Erhaltung und Nutzung des Ensembles kümmert.

Wenn man heute von Ehrenberg spricht, meint man in erster Linie das Museum, das, neben einem Gasthof, in der Klause eingerichtet wurde. Es bietet Unterhaltung, Spannung und Information auf gehobenem Niveau und ist wohl eine der ganz raren musealen Stätten, in denen Kinder die Hände nicht krampfhaft in der Hosentasche lassen müssen. Im Gegenteil, hier sind alle eingeladen, die Objekte anzugreifen oder, im Fall von Rüstungen, anzuprobieren. In den insgesamt 14 Räumen werden verschiedenste Aspekte der Ritterzeit aufgegriffen, u.a. von den blutrünstigen Kreuzzügen erzählt, das Leben in den Burgen geschildert, im Alchimistenlabor werden mitunter explosive Experimente durchgeführt und in der Pestkammer klappert so manches Knochenskelett. Das Ganze erfährt reichlich Unterstützung mittels Film, Ton und Lichteffekte. Um das mittelalterliche Geschehen noch lebensnäher zu gestalten, zieht sich als roter Faden die Lebens- und Liebesgeschichte des Stallburschen Heinrich durchs Museum, der in heftiger Liebe zu dem Burgfräulein Maria entbrannt ist. Da bahnt sich eine Mesalliance an, deren glückhafter oder –loser Verlauf sich natürlich nur dem Museumsbesucher erschließt...

Noch mehr Vergnügen für die Kleinen bietet das „Ritter Rüdiger Rätsel", eine spannende Ralley durchs Museum, an deren Ende der Erfolgreiche mit einer Urkunde ausgestattet und hochoffiziell zum Ritter geschlagen wird.

Am Festgelände Ehrenberg, das mit seiner Größe von einem Kilometer Länge beeindruckt, organisiert der Tourismusverband Reutte alljährlich am letzten Juliwochenende Ritterspiele. Unter dem Titel „Zeitreise“ treffen sich hier 800-1000 Schausteller aus aller Herren Länder und versetzen die Besucher, erfahrungsgemäß 15-20.000 an der Zahl, in das bisweilen gar nicht so dunkle Mittelalter - für Freunde dramatischer Ritterturniere und schillernder Pyrotechnik eine Pflichtveranstaltung. Weitere Höhepunkte sind u.a. die “Ehrenberg Parade”, die Schlacht um Ehrenberg am Originalschauplatz, abendliche Konzerte, ein Mittelaltermarkt und das spektakuläre Höhenfeuerwerk am Samstag. Während der drei Tage kann man am Festgelände auch campieren - natürlich ganz wie sich’s gehört in mittelalterlich-prächtigen Stoffzelten!

Das Burgmuseum Ehrenberg hat ganzjährig geöffnet und bleibt nur zwischen Mitte November und 25. Dezember wegen Revisionsarbeiten geschlossen.

www.ehrenberg.at

Ehrenberg - Zeitreise 2011: 29.-31. Juli

www.reutte.com

Bilder
Daten und Fakten:
Region
Tirol
Ort
Reutte