Der "Pumpermittwoch" in der Karwoche

Ab dem Gründonnerstag erklingen keine Glocken mehr – sie sind, so zumindest die Volksmeinung, nach Rom „geflogen“.

Volksnah ist aber auch eine andere Deutung. Denn in früheren Zeiten war es üblich, dass man im Gedenken an den bevorstehenden Kreuzestod von Jesus Christi am Mittwoch vor dem Gründonnerstag bei der Hl. Messe die Kerzen löschte. Die Finsternis sollte dabei die Trauer um das bevorstehende Ereignis verdeutlichen. Kaum ein anderer Gottesdienst war von einer derartigen Mystik überlagert. Dem war jedoch nicht genug. In der Predigt ging es an diesem Abend um den bevorstehenden Verrat von Judas, der Christus den römischen Häschern ausliefern sollte. Diesen Treuebruch, der zum Tod (aber auch zur Auferstehung) von Christus führte, wollte man im Sinne einer dramatischen Aufführung auch hörbar unterstreichen. Am Ende der Predigt quittierte das Kirchenvolk den Verrat daher lautstark mit einem wütenden Trommeln gegen die Kirchenbänke.

Nicht nur die Fäuste kamen dabei zum Einsatz, auch eigene, einfach gestaltete Lärmgeräte aus Holz nutzte man dafür. Die Rede ist hier von den „Ratschen“, simplen „Klangbrettern“, auf denen kleine Hämmerchen mittels Kurbelbewegungen Lärm erzeugen. Sie nutzte man nicht nur am sogenannten (und sprichwörtlichen) Pumpermittwoch, sondern quasi als Glockenersatz bis zur Auferstehungsfeier am Karsamstag. Die mystische Pumpermittwochfeier ist heute aus dem gängigen katholischen Brauchkalender verschwunden. Doch nach wie vor ersetzen die Ratschen den Glockenklang – vor allem rund um die Sterbestunde von Christus am Karfreitag um 15.00 Uhr.