Erster Mai - Festbrauch mit Tanz und Aufmarsch

Große und vor allem politische Maiaufmärsche haben in Tirol keine lange Tradition. Hier feiert man den Beginn des Sommerhalbjahres.

Die Feiern am 1. Mai waren bei der bäuerlichen Tiroler Bevölkerung wahrliche gesellschaftliche Ereignisse. Nach den langen Wintermonaten und den ersten frühlingshaften Temperaturen traf man sich wieder erstmals zum Tanz und zu ausgeprägten kulinarischen Freuden – und das alles auf dem Dorfplatz oder einem anderen schön gelegenen Platz. Als „Zeichen“ für dieses Fest diente ein Baum – der Maibaum. Der Brauch des Maibaumaufstellens kam aus den bayerischen Raum in die benachbarten Tiroler Regionen. Daher sind die „ersten“ Maibäume auch im Tiroler Unterinntal errichtet worden. In die anderen Tiroler Regionen kam der Maibaum erst relativ spät – erst ab den sechziger bzw. siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde er auch hier zu einer „fixen“ (aber nach wie vor nicht überall praktizierten) „Einrichtung“.

Belustigt hat man sich aber auch ohne Maibaum. Eigene Tanzböden luden zum lustigen Tanzen ein, Spielleute kamen zusammen und so manches Liebesverhältnis fand bei diesem Frühlingsbrauch seinen Beginn. Beim Tanzen fanden sich die Geschlechter, beim nächtlichen Heimgang konnten sich Burschen und Mädchen auch ohne die kontrollierenden Augen der Nachbarschaft (nicht selten) körperlich annähern. Passend dazu entpuppt sich das bis heute übliche Maibaumklettern als „Werbeauftritt“ der männlichen Dorfjugend. Hier kann man seine Ausdauer und Kräfte zeigen und wohl so mancher jungen Maid imponieren. Politische (vor allem von sozialistischen Parteien organisierte) Maiaufmärsche sind in Tirol eine realtiv junge Erscheinung und beschränken sich auf die Landeshauptstadt und einige wenige Bezirksstädte. Die traditionellen Maifeste am 1. Mai erfreuen sich hingegen stetig wachsender Beliebtheit.