Gibt man etwas her, um dafür zu bekommen, was man zuvor nicht hatte, der andere aber gebraucht hat, so ist dies ein Tauschhandel. Eine Art des Handels, die dem Geld als Zahlungsmittel vorausgeht und auf die der Mensch ganz gerne zurückgreift, sobald ihn ein gewisses Misstrauen gegen den Wert des Geldes beschleicht. Um den Tauschhandel und um prämonetäre Zahlungsmittel geht es seit Ende Juni in einer Ausstellung der Stadtarchäologie Hall.
Wirtschaftlich stand es um die Stadt Hall seit jeher recht gut. Was nicht zuletzt der Salzgewinnung und der Innschifffahrt zu verdanken war, nicht zu vergessen, die segensreiche Verlegung der Tiroler Münze von Meran nach Hall im Jahr 1477, die der Stadt zur Blüte verhalf. Seit 1567 war die Münzprägestätte in der Burg Hasegg untergebracht. Dort ging und geht heute noch ums Geld. Momentan ganz besonders intensiv. Seit Ende Juni wird im Museum der Stadtarchäologie Hall, das in der Burg Hasegg beheimatet ist, eine Wanderausstellung des Geldmuseums der Oesterreichischen Nationalbank gezeigt. Unter dem Titel „Mit Salz, Beil und Rind auf Shopping-Tour“ wird die Geschichte früherer Zahlungsmittel im europäischen Raum erzählt. Dabei stellen Salz, Beil und Rind nur drei Beispiele aus einer Menge von teils skurril anmutenden Geldformen dar, die den Weg zum modernen Geldwesen ebneten.
Von der Steinzeit bis ins Mittelalter werden die Entwicklungsstufen vor dem Aufkommen von Münzen, später Banknoten, gezeigt. Sie erstrecken sich vom Tauschobjekt über Güter des täglichen Bedarfs als Wertmesser bis zu Gerätegeld und Barren. Die Formenvielfalt ist frappierend, der Bogen der gezeigten Objekte reicht vom Gerätegeld über keltische Noppenringe bis zu Zobelfellen und Stockfischen, die sogar noch im Spätmittelalter als Naturalgeld verwendet wurden. Selbst die in Homers Epen als Wertmesser für Sklaven, Waffen und andere Wertgegenstände dienenden Rinder finden ihren Platz in der Ausstellung.
Wenn Tauschwillige einander keine entsprechenden Tauschgüter anzubieten hatten, entstanden veritable Probleme. Daraus resultierend entwickelten sich geeignete Güter von hohem Wert und langer Haltbarkeit zu einer Art Zwischengut. Beile, Pfeilspitzen,etc – besonders begehrt aus Bergkristall, wie archäologische Funde und Forschungsergebnisse des Instituts für Archäologien Innsbruck belegen – kamen auch in Tirol als Zahlungsmittel zum Einsatz. Die Entwicklung setzt sich fort vom Gerätegeld zum Barrengeld. Viehgeld bleibt bis ins Mittealter als Zahlungsmittel im Kurs. Der Wert einer Ritterrüstung lag bei 45 Kühen, was dem Viehbestand eines durchschnittlichen Dorfes entsprach.
Die von Mag. Armine Wehdorn (Nationalbank) kuratierte und von Museumsleiterin Dr. Sylvia Mader für Hall adaptierte Ausstellung bietet einen spannenden Überblick über die erstaunliche Vielfalt von Zahlungsmitteln innerhalb Europas, von der Urgeschichte bis ins Mittelalter.
Zu sehen bis Jänner 2012, Di - So 10.00 - 17.00 Uhr
Museum Stadtarchäologie Hall, Burg Hasegg-Münzerturm (Eingang Burghof)
www.stadtarchäologie-hall.at