Sprache auswählen

Im Schatten der Hohen Münder

21.07.2011

Heuer werden die Tiroler Volksschauspiele Telfs 30 Jahre alt und der Weg ist gepflastert mit bedeutenden Künstlernamen: Dietmar Schönherr, Hans Brenner, Ruth Drexel, Felix Mitterer - die Liste ließe sich fortsetzen. Ein wenig im Schatten dieser Größen steht eine Frau die über die Jahre mit den Volksschauspielen verschmolzen ist, ohne sie spielt sich vor und hinter der Bühne gar nichts ab: Geschäftsführerin Silvia Wechselberger. Die Kulturedaktion traf sie zum Gespräch.

Seit wann sind Sie bei den Volksschauspielen?

Seit 1983

Immer schon als Geschäftsführerin?

1983 als Assistentin der Geschäftsleitung und seit 1984 als Geschäftsführerin.

Wie kam es dazu?

Ich bekam die Tätigkeit als Assistentin der Geschäftsleitung angeboten und habe sofort voll Freude angenommen, da ich schon immer sehr theaterbegeistert war. Die Volksschauspiele waren ein „Nebenjob“, der neben  dem „Broterwerbsjob“ und statt Urlaub absolviert werden musste. Aber es war enorm aufregend und ich steckte mein ganzes Herzblut in die Volksschauspiele.

Gegründet 1981, hatten die Volksschauspiele ihre erste Heimat in Hall. Über „Stigma“ kam es zum Abschied und zum Auszug, sie übersiedelten nach Telfs. Bedauern Sie das?

Die Volksschauspiele wurden in Telfs sehr offen und ohne Vorbehalte aufgenommen. Telfs ist unsere Heimat geworden. Das lag zum einen am seinerzeitigen Bürgermeister Helmut Kopp und zum anderen an der Bevölkerung. Wir haben hier ein sehr gutes Arbeitsklima und werden bestens unterstützt.

Das Stück Stigma brachte die Volksseele zum Kochen. Gab es danach und gibt es heute noch Stücke, die auf derartig vehemente Resonanz aus der Bevölkerung stießen?

In dieser Vehemenz natürlich nicht. Sehr viel Diskussionsstoff gab 1984 „Andre Hofer“ von Franz Kranewitter, da sich das Stück sehr kritisch mit Andreas Hofer auseinandersetzte und das wurde 1984 noch vielfach kritisiert.1990 „Munde“ von Felix Mitterer, wegen des Spielortes am Gipfel der Hohen Munde. So etwas wäre heutzutage nicht möglich, schon aus sicherheitstechnischen Gründen nicht. Das war schon eine enorme Herausforderung, das Publikum musste ja auch am Gipfel übernachten. Felix Mitterer hat das Stück eigens für uns und die Hohe Munde geschrieben. Am Anfang wurden besonders Uraufführungen von nicht bekannten (auch Tiroler) Autoren mit großer Zurückhaltung bedacht. Im Laufe der Zeit hat sich das Publikum erstaunlich bereitwillig auf so genannte Experimente eingelassen. Dadurch konnten auch wir mit unserem Spielplan viel wagemutiger werden.

Sie haben große Künstler – Autoren, ‚Schauspieler, Regisseure, Musiker – begleiten und erleben dürfen. Wie war das für Sie, wie erlebten Sie diese Menschen, kam man sich auch persönlich näher?

Mit doch sehr vielen durfte ich jahrelang eng zusammen arbeiten, es haben sich  Freundschaften entwickelt. Viele der Künstler waren und sind in Telfs viel offener, privater. Es gibt hier auch keinen Starkult. Es ist schon sehr spannend, da viele nicht nur große Künstler sondern auch großartige Menschen sind. 

Seit heuer sind im engsten Team drei neue Theaterleute dabei, die sich jeweils mit einer eigenen Regiearbeit vorstellen. Warum diese drei?

Wir wollen, dass die Erweiterung des Vereinsvorstandes die inhaltliche und ästhetische Vielfalt der Spiele bereichern wird. Es handelt sich um drei unterschiedliche Theatermacher. Susi Weber hat sich als Regisseurin im semiprofessionellen und Stadttheaterbereich einhellige Anerkennung von Publikum und Kritik erarbeitet. Guntram Brattia ist als Schauspieler und Regisseur eine anerkannte Größe im deutschsprachigen Raum und Markus Plattner ist der erfolgreichste Regisseur des Tiroler Amateurtheaters. Die regionale Verwurzelung einerseits und die Begegnung mit außerhalb Tirols arbeitenden Künstlern war seit Anbeginn eine der Besonderheiten der Volksschauspiele.

Markus Plattner widmet seine Arbeit der Jugend und arbeitet im Rahmen des Projekts „Jugendland – Künstlerjugend“. Wie wichtig ist den Volksschauspielen der Theaternachwuchs?

Die Förderung des Theaternachwuchses ist enorm wichtig für uns. Wir versuchen – wenn es die Stückgegebenheit zulässt – Kinder zu integrieren. So spielten z. B. vor zwei Jahren 24 Telfer Kinder mit. Für die Kinder war es spannend und positiv für die Entwicklung der Persönlichkeit und für uns eine Bereicherung und vielleicht Künstler aber sicher Publikum von morgen. So wählen auch einige, die bei uns als Ferialpraktikanten -  sei es vor oder hinter der Bühne -  mitgearbeitet haben, einen Beruf in diesem Bereich.

Als Kontrast zur teilweise recht spröden, schweren Theaterkost bringen Sie heuer auch ein komisches  Stück, „Der Raub der Sabinerinnen“, eine Produktion des Theaters am Kurfürstendamm mit Katharina Thalbach. Wieso die Hinwendung zur Komödie?

Wir haben seit Anbeginn immer wieder auch Komödien gespielt. Leider gibt verhältnismäßig wesentlich weniger gute Komödien als Tragödien. Und gerade die Tiroler Theaterszene von Schönherr bis Mitterer ist naturbedingt von „schwerer Kost“ geprägt. 

Die Plakate der Volksschauspiele sind vom Künstler Anton Christian gestaltet. Wie ist die Zusammenarbeit?

Wir sind sehr glücklich, dass wir vor zwei Jahren den namhaften Künstler Anton Christian dafür gewinnen konnten, das Plakat und Logo für uns zu entwerfen. Das Thema wurde vorgegeben, Anton Christian hat einige Vorschläge ausgearbeitet und wir haben uns sofort in das Bild verliebt, das unser Plakat geworden ist. 

Tiroler Volksschauspiele Telfs, 22. August - 31. August 2011

www.volksschauspiele.at

Bilder
Daten und Fakten:
Region
Tirol
Ort
Telfs

26.07. - 31.08.2012
Tiroler Volksschauspiele Telfs
Die Tiroler Volksschauspiele sorgen seit 1981 für beste und kritische Volkstheater-Unterhaltung.

Kultur Akteur