Tirol als Mördergrube

Tirol, Interview mit der Krimiautorin Lina Hofstädter

In Lina Hofstädters neuestem Krimi »Satansbrut« spielen Teufelsmasken eine bedeutende Rolle.

Mit „Satansbrut“ hat die Tiroler Schriftstellerin Lina Hofstädter 2011 ihren fünften Krimi vorgelegt. Neben der Aufklärung eines Mordes sind auch Tiroler Maskenbräuche, Satanskult und das Leben in einer Tourismusregion Thema des Buches. Ein Gespräch mit der Autorin über die Kunst, gute Krimis zu verfassen.

Frau Hofstädter, Sie haben schon sehr früh – lange vor dem derzeitigen Krimiboom – begonnen, ihre Kriminalfälle in Tirol zu verorten. Was reizt Sie an dem Genre?
Ich habe mein Leben lang Krimis gelesen, vor allem satirische, gesellschaftskritische, wie man sie im englischsprachigen Raum findet. Bei uns gilt Kriminalliteratur als triviales Genre, aber in Wirklichkeit handelt es sich um eine durchaus anspruchsvolle Gattung, deren Mechanismen der Spannungserzeugung, deren Architektur und Plotaufbau ich mir erst aneignen musste. Man muss auf mehreren Ebenen genauer arbeiten als in einem anderen Roman, und trotzdem sollte sich das Ergebnis leicht lesen. Man muss Oberfläche bieten, ohne den Tiefgang zu verlieren.

Vier Ihrer fünf Krimis spielen in Tirol. Welche Plätze bzw. Themen haben Sie dafür ausgesucht?
Es gibt reale und fiktive Orte. In „Bergiselschlachten“ spielt der Bergisel eine ganz wesentliche Rolle, da spiele ich z. B. mit Andreas-Hofer-Mythen. In „Valcamona“ geht es um Tourismus, dabei habe ich mich von einem großen Tourismusbetrieb inspirieren lassen. Bei „Ausapern“ geht es um die verdrängte faschistische Vergangenheit Tirols und um heutige faschistoide Tendenzen. „Satansbrut“ spielt im Pitztal, weil ich mich da oben gut auskenne. Die Ortsnamen habe ich aber verändert.

Der Krimi ist auch eine Folie, um bestimmte tirolspezifische Dinge zu erzählen. Sie scheinen dabei – bis hin zu den Namen der Personen – viel Wert auf eine genaue Recherche zu legen …
Ja, ich recherchiere so genau, wie ich kann, fast wissenschaftlich. Ich versuche dabei so genau zu sein wie beim Plot, damit auch die Fakten stimmen. Deshalb lese ich ca. einen Meter Fachliteratur pro Buch und frage Leute, die sich auf bestimmten Gebieten gut auskennen: im Gastgewerbe, in der Polizeiarbeit oder, wie für „Satansbrut“, der Satanismus.

Haben Krimis auch einen touristischen Nutzen?
Ja, man hat wirklich ein Publikum. Wer Donna Leon liest, möchte ja auch nach Venedig fahren. Allerdings fällt mir auf, dass viele Touristiker noch nicht recht begriffen haben, was für eine irre Werbung das ist – auch bei kritischen Büchern. Da besteht oft die Furcht, dass zu sehr am Image gekratzt wird, dabei gibt es auch Touristen, die sich mit Bruchstellen beschäftigen wollen, die ein bisschen hinter die Kulissen schauen wollen.

Bisher haben in Ihren Krimis immer verschiedene Hauptfiguren die Fälle gelöst. Warum gibt es bei Ihnen (noch) keine Serienfigur?
Wenn man eine Figur wirklich lebendig machen möchte, läuft sich das nach drei Büchern tot. Nur wenn es so vage bleibt wie bei Simenons Kommissar Maigret, kann man das sehr weit treiben. Aber die Hauptfigur in „Satansbrut“, die Volkskundlerin Patrizia Federspiel, interessiert mich noch sehr, mit ihr kann ich meine Privatstudien in Volkskunde, Geschichte und Archäologie betreiben. Diese Figur wird es noch länger geben.

Das heißt, wir können uns auf weitere Krimis aus Ihrer Feder freuen?
Ja, ich habe noch einen auf Lager, in dem Krimi mit Lyrik vermischt ist und der nächstes Jahr erscheinen wird, und solange mir noch etwas zum Experimentieren einfällt, werde ich weiter Krimis schreiben.

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