Innsbruck Mode & Design
Garagen sind tiefgründige Orte. Wo einige bloß das Auto abstellen, werden andere etwa zum Bauen eines Computers oder zur Gründung eines Modelabels inspiriert. In einer ehemaligen und umgebauten Garage in der Innsbrucker Angerzellgasse richtete die Designerin Hermine Span ihr Atelier nebst Verkaufslokal ein. „Garage Span“, so der Name für Ort und Label, ist mittlerweile aus der österreichischen Designer-Szene nicht mehr wegzudenken. Heuer feiert die Designerin, die nicht nur Jacken, Kleider und Hosen im Blickfeld hat, sondern auch Accessoires und Textilkunst, ihr 25jähriges Jubiläum.
Seit 1984 kreisen Hermine Spans berufliche Gedanken um Mode. Inoffiziell steckte sie natürlich viel früher tief in der Materie, denn schon in jungen Jahren entwarf sie für sich und ihre Freundinnen Outfits, die allesamt einer Prämisse genügen mussten: sie hatten „schräg“ zu sein und sich von der Modenorm abzuheben. Dabei fand alles Verwendung, was der damals elterliche Haushalt in Aldrans so hergab: Decken, Säcke, Schläuche, etc., eine Materialvielfalt, die sich auch heute noch in ihren Kollektionen, vor allem aber in ihren Accessoires, finden lässt.
Eröffnet wurde die „Garage“ im Jahr 1986. Seitdem entwirft Hermine Span zweimal jährlich Kollektionen, die auf modifizierten Grundschnitten basieren oder durch Drapieren von Stoffteilen am Körper entstehen. Dreidimensionale Taschen, offenkantig aufgenähte Reißverschlüsse und Webkanten mit Fransen werden als bewusste und markante Stilelemente eingesetzt. Sind Schnitte und stilistische Elemente ausgefallen, so kann man die verarbeiteten Stoffe gelinde gesagt als exzeptionell bezeichnen. Die Ware wird gerne in Mailand bezogen, oder in Paris, doch auch Bestände aufgelassener Stoffgeschäfte wandern nicht selten in den Besitz der Designerin. Spans Entwürfe sind in Schnitt und Stil eher straight, ihre Neigung zum Bedrucken des Stoffes lässt sich hingegen als verspielt bezeichnen. Ein Spiel mit bekannten Symbolen. Und so werden T-Shirts, Röcke, Kleider und dgl. von Kühen, Adlern, Pudeln, Wildschweinen, oder floralen Elementen, wie dem Edelweiß, geziert. Und immer wieder - der Herminator, ein von Span kreiertes, sich auf den Terminator beziehendes Mischwesen. Gerne verfremdet Span bekannte Logos, bei ihr wird nicht in den Apfel sondern lustvoll in die Birne gebissen. Spans Liebe zum Siebdruck und der damit einhergehende Ideenreichtum spornte einige Unternehmen an, sich von der Künstlerin ein entsprechendes Firmen-Outfit oder eine T-Shirt-Linie anfertigen zu lassen. Der letzte Wurf dieser Art: für das Stadtmarketing Innsbruck entwarf sie Shirts mit dem neuen Innsbruck- Schriftzug.
Ebenso legendär wie Spans Kreationen sind die Modeperformances, die meist an ungewöhnlichen Orten stattfinden, u.a. am Innsbrucker Hauptbahnhof, in der Galerie im Taxispalais oder im MAK (Museum für angewandte Kunst) in Wien. Und immer wieder im Innsbrucker Treibhaus, dem Austragungsort der ersten Modenschau, aber auch ihrer jüngsten Jubiläums-Moderevue, die Ende Oktober das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss. Zweifellos werden wir dort auch „50 Jahre Garage Span“ feiern dürfen.
Info: Im Rahmen der Premierentage am 4.-5. November ladet Garage Span gemeinsam mit A4 zur Premiere „Fatima Bornemissza“ ein.