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Tirol und das immaterielle Kulturerbe – Anerkennung durch die UNESCO

07.11.2011

Die bunte Bandbreite der Tiroler Volkskultur(en) wird gewürdigt – nicht zuletzt durch die UNESCO, die im Rahmen des immateriellen Kulturerbes nationales Kulturgut mit einem Gütesiegel ehrt.

Laut Statuten zählen zum immateriellen Kulturerbe „Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes verstehen. Gleichzeitig erfasst dieser Begriff auch die Instrumente, Objekte und kulturellen Räume, die mit dem jeweiligen immateriellen Kulturerbe in Zusammenhang stehen. Konkret wird das immaterielle Kulturerbe in fünf Bereichen, deren Übergänge fließend sind, zum Ausdruck gebracht:
    * Mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, einschließlich der Sprache als Trägerin des immateriellen Kulturerbes
    * Darstellende Künste
    * Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
    * Wissen und Praktiken in Bezug auf die Natur und das Universum
    * Traditionelle Handwerkstechniken
Immaterielles Kulturerbe wird von einer Generation an die nächste weitergegeben, fortwährend neu gestaltet und vermittelt den Gemeinschaften ein Gefühl von Identität und Kontinuität.“
Gerade letztgenannte Punkte sind für die Anerkennung immens wichtig: Weitergabe, Lebendigkeit und Jugendarbeit. Für die Einreichung bedarf es einer ausführlichen Beschreibung, fundierter historischer Nachweise, aber auch zukunftsorientierter Pläne. Eine eigene Jury bewertet nach streng formalen Kriterien. Tirol kann stolz darauf sein, dass doch einige Bräuche und volkskulturelle Praktiken in diese nationale Liste bereits aufgenommen wurden. Darunter etwa der vorweihnachtliche Brauch des Anklöpfelns im Tiroler Unterland, die Bergfeuer Ehrwald, das Wissen um die Handfichte als Klangholz, die Ötztaler Mundart, das Sternsingen um den 6. Jänner im Villgratental, die Schaftriebe im Ötztale und die Fastnachtsbräuche Schemenlaufen (Imst), Schleicherlaufen (Telfs), Blochziehen (Fiss) oder das Mullen und Matschgern in Innsbruck und Umgebung (= Mühlau, Arzl, Rum, Thaur und Absam).
Im Gegensatz zum Weltkulturerbe handelt es sich beim immateriellen Kulturerbe um geistiges Gut, um Volkskultur und damit verbundene Bräuche und Gepflogenheiten. Großer Wert wird dabei auf die sozialen Komponenten gelegt, auf die dörfliche Zusammenarbeit, auf gesellschaftliche Netzwerke und vor allem auf die konstruktive Weitergabe an die Jugend.
Das Gütesiegel ist eine nationale Anerkenung und Würdigung, aber auch Aufgabe: kein Stillstand oder ein bloßes Beharren ist gefordert, sondern eine stetige Pflege im Sinne der volkskulturellen Lebendigkeit. Und in Tirol weiß man um diese Notwendigkeit einer traditionellen und doch weltoffenen Volkskultur.