Innsbruck/Ausstellung
Brigitte Kowanz ist eine der international erfolgreichsten österreichischen Künstlerinnen. Die Galerie im Taxispalais würdigt ihre Arbeit mit der Ausstellung "in light of light", die Mitte Dezember eröffnet wird. Die Kulturredaktion sprach im Vorfeld mit der Künstlerin.
Aus den frühen 80er Jahren stammen Lichtarbeiten von Ihnen, die damals die Grenzen des traditionellen Tafelbildes gesprengt haben. Was zieht Sie am Licht als Gestaltungsform so an?
Licht ist energetisch und Grundlage allen Lebens. Obwohl es die Voraussetzung für das Sehen und Erkennen ist, ist es selbst nicht greifbar, es bleibt transparent und flüchtig. Licht ermöglicht Wahrnehmung und ist zugleich Informationsträger. In meinen Arbeiten zeigt sich das Licht in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen und breitet sich expansiv in den Raum aus.
Enorme Bekanntheit haben Sie über Ihre für den öffentlichen Raum geschaffenen Werke erhalten (Uniqa Tower Wien, Staatsbrücke Salzburg, Bürogebäude München,...). Lässt sich in dieser Disziplin besonders gut mit Licht arbeiten?
Die Expansivität des Lichts macht es zum idealen Medium, um auch in großen Dimensionen zu denken. Das ist primär bei den Arbeiten, die für den öffentlichen Raum entstehen, möglich. Mein Hauptinteresse gilt dabei vor allem der Auseinandersetzung mit den immer wieder neuen architektonischen Gegebenheiten. Im Gegensatz zu temporären Ausstellungen kommt es bei den permanenten Installationen zu dauerhaften Interaktionen zwischen Kunst und Alltag. Neben der formalen spielt für mich bei diesen Projekten auch die inhaltliche Ebene eine wichtige Rolle. Oft entwickeln sich bei diesem Prozess spannende Dialoge und Synergien.
Sie setzen vorzugsweise Neonlicht ein. Warum?
Die Neonröhre verbindet als Trägerin des Leuchtmittels Zeichnung und Malerei miteinander – das Lineare verwandelt sich ins Dreidimensionale, wird formbar und entwickelt skulpturale Qualitäten. Durch die Umwandlung der zumeist spontanen Handschrift in das vergleichsweise dauerhafte Medium der Neonschrift erfährt das Neonlicht in meinen Arbeiten auch eine starke Rhythmisierung.
Mittels Buchstaben und Zahlen senden Sie zusätzlich Botschaften. Erhält dadurch jede Arbeit ihre individuelle Botschaft oder gibt es so etwas wie eine Grundaussage, die sich durch Ihr Gesamtwerk zieht?
Ein wichtiges verbindendes Thema aller meiner Arbeiten ist jenes der Wahrnehmung als dynamischer Prozess zwischen Sehen und Erkennen. Kunst ist eine Form der Kommunikation. Sowohl Licht als auch Sprache sind Informationsträger, die sich in einer ständigen Wechselbeziehung befinden und sich gegenseitig sichtbar machen.
Auch Spiegel findet man in Ihren Installationen. Sind sie sozusagen die Fortführung des Lichts ad infinitum?
Der Spiegel ist für mich ein Mittel, um das Medium Licht sichtbar zu machen. Er löst die Grenzen zwischen virtuellem und realem Raum auf. Durch die Verwendung so genannter „Spionspiegel“ in Kombination mit Licht eröffnet sich dem Betrachter ein imaginärer unendlicher Tiefenraum, mit dem er wiederum selbst interagieren kann.
Seit 2009 sind Sie Trägerin des Großen Österreichischen Staatspreises, der höchsten Auszeichnung, die Österreich im Bereich der Kunst vergibt. Fühlen Sie sich als österreichische Künstlerin?
Generell hat das eine mit dem anderen nichts zu tun, da Kunst keine Nationalitäten kennt. Aber ich lebe gerne in Österreich.
Ist die Ausstellung im Taxispalais Ihre erste in Tirol?
Ich habe in den 80er und 90er Jahren bereits an mehreren Gruppenausstellungen in Tirol teilgenommen. Dies ist meine dritte Einzelausstellung nach Präsentationen in der Galerie Krinzinger in Innsbruck 1980 und 1984.
Den Ausstellungstitel „in light of light“ übersetzen Sie selbst mit „angesichts des Lichts“. Was wird den Besucher erwarten?
Jeder der Räume im Taxispalais ist als raumspezifische Installation konzipiert. Dabei geht es um die wechselseitige Beziehungsaufnahme von Licht, Codes und Reflexion, die polare Spannung zwischen Materie und Licht und die daraus resultierenden Interaktionen. Bei den neuesten Arbeiten der Ausstellung erzeugt die Rhythmisierung von Licht und Schatten durch Codes räumliche Lichtgeflechte. Diese virtuellen Verschränkungen dehnen sich in den Raum aus. Einer der Räume wird zu einem begehbaren Spiegelkubus. Die beiden einander gegenüberliegenden Wände öffnen den realen Raum zu einem endlosen Tiefenraum, in dem sich der Betrachter wiederholt begegnet. Die Realität wird virtuell unterlaufen, die Spiegelwände bespiegeln einander. Imaginäre Transferräume entstehen, Beobachten und Beobachtet werden fallen zusammen.
Info:
Galerie im Taxispalais, Brigitte Kowanz „in light of light“
17. Dezember 2011 – 26. Februar 2012
www.galerieimtaxispalais.at