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Eingeschnürte Frauenleiber - Tiroler Frauentrachten und das Mieder

06.02.2012

Bei vielen traditionellen Tiroler Frauentrachten sticht das Schnürmieder hervor. Das hat nicht nur mit der „Mode“ zu tun, sondern auch mit einem praktischen Nebeneffekt.

Denn egal ob man ein paar Kilo zu viel hat – das Mieder paßt sich weitgehend an die Figur an. Das Korsett oder Schnürmieder prägt seit mehr als zwei Jahrhunderten das Kleidungsverhalten der Frauen. Von der gesellschaftlichen Oberschicht ausgehend – dort konnte man es sich leisten auf die Figur zu achten - nahm das Mieder seinen Siegeszug. So pilgerte man etwa in England extra in einen Laden, nur um sich das absolute Frauenideal vor Gesicht zu führen: ein Lehrmädchen, dessen Taille so groß wie ein Teetassenteller war. Auch Kaiserin Sissi war in diesem Zusammenhang ein frühes pin-up-girl – ein weiblicher Prototyp.
Auch in der ländlichen Tiroler Bevölkerung wurde das Mieder im Laufe der Zeit angenommen. Vornehmlich bei den Festtagsgewändern, die man wahrlich nur zu besonderen Anlässen trug. Bezeichnend für die ländlichen Schnürmieder sind die bunten Bänder, die man ausgehend vom Brustbereich bis zur Taille in Kreuzform schnürt. Für alltägliche körperliche Arbeiten waren diese Mieder undenkbar. Doch als Festtagsgewand haben sie Eingang in die lokalen Trachten gefunden – und das bis heute. Da nützte auch so mancher Aufruf von Ärzten oder Pfarrern(!) vornehmlich im 19./Anfang des 20 Jahrhunderts nichts, die von den gesundheitsschädlichen Auswirkungen (Schnürleber, Ohnmachtsanfälle, Organverlagerungen etc.) warnten.
Es gab auch Initiativen, die Schnürmieder durch bequemere geknöpfte Varianten zu ersetzen – mit wenig Erfolg. Die Trachtentradition, auch wenn sie gar nicht so alt ist wie man glauben möchte, hat „überlebt“. Dies wohl nicht zuletzt deshalb, weil – und dies muss immer wieder betont werden – es sich bei den Frauentrachten allein um Festtagsgewänder handelt. Man trägt sie also nur zu bestimmten Feierlichkeiten, für kurze (ertragbare) Zeit.
So hat sich in Tirol in vielen Talschaftstrachten ein buntes Bild von Schnürmiedern gehalten bzw. wird neu kreiert. Herausragende weil augenscheinliche Charakteristika sind die unterschiedlichen Farbgebungen, die Stickereien, der eingenähte Bandzierat u.a. Der Tiroler Frauenleib wird eben zu bestimmten Festtagen und Anlässen geschnürt – und nicht wenige betonen, dass so ein Schnürmieder jeder Frau, egal welche Figur und welches Alter sie hat, paßt!

Geschichte & Volkskultur

Als Land im Gebirge und wichtiges Zentrum auf dem Weg über die Alpen spielt Tirol seit je eine bedeutende Rolle im Herzen Europas.

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