"Ferggelen" – Religiöse Umtragefiguren bei Prozessionen

Prozessionen sind Zeugnisse volksfrommen Brauchtums und untrennbar mit der religiösen Tiroler Festkultur verbunden. Bei den großen Umgängen, wie die Prozessionen auch genannt werden, trägt man auch diejenigen Heiligenfiguren mit, die in der Gemeinde bzw. der Region eine besondere Rolle spielen.

Umgangssprachlich werden diese mitgetragenen Statuen der Heiligen auch „Ferggelen“ genannt. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um eine weibliche oder männliche Heiligenfigur handelt. Der Name „Ferggele“ kommt eigentlich aus dem Lateinischen und bezeichnet ein Tragegestell für jedwede Statuen. Schon bei den Römern nutzte man das ferculum, um bei den großen Triumphzügen einzelne Gottheiten bzw. Siegesinsignien der Öffentlichkeit zu zeigen. Diese Form der populären Präsentation von Kultobjekten verwendet man in vielen Religionen, u.a. auch in der katholischen Kirche. Das Tragegestell ist so konstruiert, dass zum einen ein gefahrloser Transport gewährleistet ist und zum anderen die Belastung der Träger gering gehalten wird. Dabei bringt man an rechteckigen bzw. quadratischen Kästen zwei bzw. vier Tragestangen an, die von den Trägern auf den Schultern gehalten werden.

Auf dem Tragegestell stehen die Heiligenstatuen, die während des Jahres in den örtlichen Kirchen ihren Platz haben. Zu den beliebtesten Umtragefiguren zählen Marien- und Jesufiguren bzw. ausgewählte „Dorfheilige“. Gibt es etwa in einer Gemeinde eine Bruderschaft, die dem Hl. Sebastian geweiht ist (wie im Fall von Telfs), so darf diese Statue bei der Prozession auf keinen Fall fehlen. Das Tragen dieser „Ferggelen“ (das Tragegestell steht hier auch für die jeweilige Heiligenfigur) ist keine „Last“, sondern eine Ehre. Meist gibt es hier eine Geschlechtertrennung, d.h. Männer bzw. junge Burschen tragen die männlichen und Frauen bzw. Mädchen tragen die weiblichen Heiligen. Die Heiligenstatuen sind zumeist aus Holz geschnitzt und gefaßt, vereinzelt werden sie mit wertvollen Gewändern aus Samt, Seide oder Brokat extra für die Prozession „bekleidet“. Zudem verzieren manchmal auch Blumenarrangements die „Ferggelen“, die untrennbar mit der lokalen (religiösen) Geschichte verbunden sind.