Fastenzeit in Tirol

Die Fastenzeit bedeutete besonders in früheren Zeiten einen ungeheuren Einschnitt in das Volksleben. In der Periode der Besinnung, Einkehr und der Vorbereitung auf das Osterfest war so gut wie alles verboten, was Spass macht.

Dazu gehörten vor allem die Einschränkungen bei Essen und Trinken. Auf den Tisch kommen durfte kein Fleisch von warmblütigen Tieren und allen Produkten, die damit in Zusammenhang stehen (Milch, Butter, Schmalz, Eier etc.). Im Bergbauernland Tirol entstanden aber sehr bald sogenannte Fastendispense, die diese Verbote teilweise wieder aufgehoben haben, weil die genannten Nahrungsmittel als Energielieferanten die schwere Arbeit überhaupt erst möglich gemacht haben. In Tirol einschneidender waren dagegen die Verbote, welche diverse Lustbarkeiten verboten haben: Musik, Tanz, Hochzeiten und auch der eheliche Geschlechtsverkehr fallen darunter. Das führte dazu, dass beispielsweise Hochzeiten mit Vorliebe in die Fastnachts- oder Faschingszeit gefallen sind, bzw. in die Zeit nach Ostern in den „Wonnemonat“ Mai. Auch das kirchliche Leben war ganz auf die Vorbereitung auf die Leidensgeschichte Christi gerichtet. Dazu gehört bis heute, dass in den Kirchen meist schon am Aschermittwoch die Altarbilder durch dunkle (meist violette) Stoffbahnen verhüllt werden. Früher benützte man dafür oft sogenannte Fasten- oder Hungertücher, die dem leseunkundigen Kirchenbesucher die Passionsgeschichte in zahlreichen kleinen Bildern erzählten.