Kräuter im Tiroler Brauchtum

Nicht nur gegen (fast) jedes körperliche Leiden ist ein Kräutlein gewachsen – auch bei vielen Bräuchen des Lebens- und Jahreslaufes spielen Kräuter eine wichtige Rolle. Sie sollen Schutz bieten, Gesundheit und Glück garantieren oder als Symbol für eine besondere Wertschätzung stehen.

Tirol ist reich an Volkglaubensvorstellungen, die sich mit dem bestimmten Gebrauch von Pflanzen auseinandersetzen. Gerade im Zusammenhang mit drohenden Unwettern, Hagel und Blitzeinschlag gibt es eine Vielzahl an überlieferten Handlungsweisen: so soll man etwa bei Unwettern geweihte Kräuter (wie Königskerze, Eibisch, Weinraute, u.v.m.) verbrennen. Dieses Form des Räucherns praktiziert man auch an Weihnachten und zu Silvester, wo der Rauch alles Unheil von Mensch und Tier abhalten soll. Eine besondere Stellung nimmt der Rosmarin ein: früher verschenkte man ihn häufig bei Taufen und Hochzeiten, um Glück und Gesundheit zu erbitten. Aber auch bei Beerdigungen legt man einen kleinen Bund Rosmarin als Ehrerbietung dem Verstorbenen auf den Sarg. Bei den vielen katholischen Prozessionen im Sommerhalbjahr schmückt man mit viel Liebe die vier Evangelienaltäre, an denen die Teilnehmer Halt machen. Neben dem Blumenschmuck (häufig Rittersporn, Pfingstrosen und „Tränendes Herz“) verwendet man als Dekor auch Kräuter aus dem Bauerngarten. Im Anschluß an die Prozession bewahrt man diese Kräuter sorgsam auf: sie werden bei bestimmten Leiden als Tee oder Salbe verwendet oder den Tieren ins Futter gemischt.