Die "heiligen" Klöpfelnächte

Neben den Adventsonntagen sind die vorweihnachtlichen Donnerstage wichtige Brauchtermine. An diesen Tagen ziehen die Tiroler Anklöpflergruppen in vielen Gemeinden - vor allem im Unterinntal - von Haus zu Haus. Zentrales Thema dieses Brauches ist die bevorstehende Ankunft des Heilands.

In früheren Jahrhunderten praktizierten vor allem Kinder und arme Leute diesen musikalischen Weihnachtsbrauch. Sie zogen von Hof zu Hof und sangen Lieder, die von der kommenden Geburt Christi handeln. Der Inhalt dieser "Aufführungen" beruht auf einem biblischen Text (nach dem Evangelist Lukas) wo es heißt, dass arme Leute, Kinder und Kranke eine besondere Gnade erfahren. Dieser "Gnadenbeweis" ermöglicht ihnen das Kommen des Heilands vorhersagen. Um diesen Brauch möglichst theatralisch darzustellen, kostümierten sich die Sänger und Musikanten mit Lumpengewändern und Larven. Für ihre Brauchdarbietungen erhielten sie Nahrung und etwas Geld. Es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Hausbesitzer die "Anklöpfler" zu bewirten hatten - entsprechend der vorweihnachtlichen christlichen Nächstenliebe. Doch alte Überlieferungen berichten, dass es bei diesem Brauch nicht immer feierlich zuging. So heißt es etwa in einem alten Klöpflerlied: "Heut' ist die heilige Klöpfelnacht, Wo mann Nudl und Küchl bacht, Nudl heraus, Küchl heraus! Oder wir schlagen ein Loch ins Haus!" Heute sind die Anklöpfler zumeist als Hirten bzw. in bäuerlicher Kleidung gewandet. Sie ziehen nach alter Tradition von Haus zu Haus oder treten bei Adventveranstaltungen auf und sammeln meist für einen caritativen Zweck. Im Laufe der Jahrhunderte kam es aber auch zu einer Vermischung mit dem Brauch der Herbergsuche. Und so finden sich heutzutage auch Anklöpflergruppen, in denen die Heiligen Josef und Maria vertreten sind.