Herbergsuchen - ein vorweihnachtlicher Brauch

Das „Herbergsuchen“ ist ein Brauch, der im engen Zusammenhang mit der biblischen Überlieferung steht. Es wird bei dieser „Aufführung“ die Suche von Josef und Maria nach einer Unterkunft in Bethlehem dramatisch nachgestellt. Nachdem das „heilige Paar“ bei den hartherzigen Wirtsleuten nicht aufgenommen wurde, mußte die Hl. Maria Christus in einem Stall zur Welt bringen.

Ursprünglich war diese szenische Aufführung in den Weihnachtsspielen beheimatet. Erst im Laufe des 16. Jahrhunderts entwickelte sich dieses Detail der weihnachtlichen Geburtsgeschichte zu einem eigenständigen Brauch. Es war vor allem der Jesuitenorden, der einen regelrechten Kult um die dramatische Herbergsuche in Bethlehem geschaffen hat. Mit Flugschriften und eigenen Gebetszetteln verbreitete man diese Form des volkstümlichen „Theaters“. Zunächst wurde diese Suche nach einer Unterkunft in den Kirchen zur Weihnachtszeit aufgeführt – erst im Laufe des 19. Jahrhunderts etablierte sich in Tirol diese theatralische Darstellung als Umzugsbrauch. Zu den Akteuren dieses Brauches gehören der Hl. Josef, die (schwangere) Hl. Maria sowie die hartherzigen Wirtsleute. In einer Art Wechselgesang bitten Josef und Maria um Herberge, die Wirte bemerken die Armut der beiden und schicken sie weg. Fester Bestandteil dieses Brauches ist das Lied „Wer klopfet an?...“. Diese gesungene Passage (und die damit einhergehende volkstümliche Interpretation) hat im Laufe der Zeit zu Mißverständnissen und schließlich auch zu einer Vermischung der Bräuche des „Herbergsuchens“ und des „Anklöpfelns“ geführt. Beim traditionellen Brauch des „Anklöpfelns“ geht es nämlich nicht um die Herbergsuche, sondern um die Ankündigung der Ankunft des christlichen Heilands – heute in Tirol meist durch Hirten dargestellt.