Wenner Fastnacht

Wenn es eine „wahre“ Tiroler Fastnachtstalschaft gibt, dann ist diese das Pitztal. Neben Arzl, Wald und St. Leonhard ist es auch Wenns, das in mehrjährigem Rhythmus das traditionelle Fastnachtstreiben mit besonderer Hingabe pflegt. Auch wenn Ähnlichkeiten mit dem Imster Schemenlaufen auf der Hand liegen – die Wenner Fastnacht hat ihren eigenen Charakter und ist absolut sehenswert.

Wenn man schon von einer stimmigen Tiroler Fastnacht spricht, darf man neben den Figuren und Aufführungen auch nicht das Ambiente vergessen. Und der dörfliche Charakter von Wenns harmoniert perfekt mit dem traditionellem Umzug. Wer nicht auf den „offiziellen“ Beginn der Fastnacht warten möchte, kann sich bereits beim Aufzug der Gruppen vom Unter- in das Oberdorf einen ersten Eindruck verschaffen. Punkt 12.00 Uhr mittags ist es dann soweit – die Wenner Fastnacht kann beginnen. Dem Zug voran reiten die Fanfarenbläser, die auf ihren Trompeten klangvoll auf die kommenden Gruppen einstimmen. Ihnen folgt die örtliche Musikkapelle, die mit dem „Wenner Fasnachtsmarsch“ zu reüssieren weiß. Zahlreiche Ordnerfiguren wie Sackner, Spritzer u.a. sind die sprichwörtlichen Wegbereiter, d.h. sie machen auf ihre ganz spezielle Art und Weise Platz für den Aufzug. Die Hauptfiguren der Fastnacht sind Roller und Scheller, die mit ihrem prächtigem Aufputz (dem „Schein“ auf dem Haupt und den prächtigen Kostümen) immer wieder einen stilisierten Tanz, das sogenannte „Gangl“ aufführen. Es ist eine besondere Anerkennung, wenn dieses Fastnachtspaar einen Besucher durch ein „Gangl ehrt“.

Natürlich gehören auch die Bären mit ihren Bärentreibern und die Hexen mit ihrer Musik und eigenem Fastnachtswagen zu den absoluten Höhepunkten. Nicht zu vergessen neben anderen Gruppen sind auch die „Labera“ (= eine Art Bänkelsänger), die mit Zynismus und Augenzwinkern dorfinterne Begebenheiten zum Besten geben. Wer sich dabei in den vorgetragenen Geschichten wiederfindet, sollte es mit einem alten Sprichwort halten: Humor ist (und sei es auch noch so peinlich), wenn man trotzdem lacht... Mit dem Betläuten um 18.00 Uhr endet die Wenner Fastnacht – zumindest der „offizielle Umzug“. Dann werden zwar die Larven abgenommen, aber ans nach Hause gehen denken nur die Wenigsten. Die Fastnacht geht intern weiter, und sei es bis zur so genannten Wilden Fastnacht am darauf folgenden Montag.