Arzler Singeslerlaufen

Im Februar ist es wieder soweit: Arzl im Pitztal „geht“ in die Fasnacht. Nach vierjähriger Pause beherrschen wieder die Fasnachtsfiguren der Singesler, Roller, Hexen, Bären, u.v.a. den Ort. Das Arzler Singeslerlaufen ist in der Tiroler Fasnachtslandschaft eine relativ kleine Veranstaltung, die aber gerade dadurch einen besonderen Charme entwickelt.

Vom äußeren Erscheinungsbild ähnelt das Arzler Singeslerlaufen dem Imster Schemenlaufen. Die Hauptfiguren dieser Fasnacht sind die namengebenden Singesler und die Roller. Die Singesler tragen um den Leib gebundene, gegossene Glocken (= Singesen), eine Larve mit großem Schnurrbart und auf dem Haupt einen Aufputz aus bunten Zierrat mit einem Glöckchen. Das weiblich anmutende Pendant zum Singesler stellt der Roller dar, der aber im Gegensatz zu Imst kein „Gröll“ (dicht aneinandergereihte kleine Glöckchen) trägt. Eine der beliebtesten Figuren der Tiroler Fasnacht ist die Hexe, die auch in Arzl nicht fehlen darf. Nach der Volksüberlieferung sollen „Arzler Hexen“ im „Rappeloch“ ihr Unwesen treiben. Die Fasnachtsfiguren der Sackner, Spritzer und Kübelemajen sind sogenannte Ordnungsgestalten, die dafür sorgen, dass die Zuseher dem „Umzug“ Platz machen. Mit kleinen Säcken (meist gefüllt mit Sägemehl oder Maisblättern), Wasser und Mehl treiben sie mit dem Publikum so manchen Schabernack.

Eine wichtige Gruppe des Umzuges bilden die Bären, die von den Bärentreibern auf dramatische Art und Weise immer wieder eingefangen werden. Lokalen Bezug haben die „Burgstallzurfer“, ein Trupp von Holzarbeitern, die vergangene Lebensweisen aufzeigen. Ähnlich den Bänkelsängern früherer Zeiten künden die Labara in humorvoller und durchaus auch zynischer Form von örtlichen Begebenheiten der letzten Jahre. Fasnachtswägen, in liebevoller und oft langwieriger Arbeit gestaltet, ergänzen den Arzler Fasnachtsumzug. Das Arzler Singeslerlaufen, in den Jahren 1909 bis 1912 noch „unorganisiert“, zählt inzwischen zu den wichtigen Fasnachten im Tiroler Oberland. Der große Erfolg dieses Brauches ist nicht zuletzt auf den 1957 gegründeten Fasnachtsverein zurückzuführen.