Vom "alten" und "neuen" Neujahr

„Prosit Neujahr“ – den Übergang vom alten zum neuen Jahr zelebriert man weltweit am 31. Dezember. Noch vor etwas mehr als hundert Jahren war dies in den ländlichen Regionen Tirols nicht üblich. Denn den Beginn des neuen Jahres feierte man nach alter Tradition am 6. Jänner.

Ludwig von Hörmann, ein Tirol Kenner par excellence, schrieb um 1900: „Der letzte und der erste Tag des Jahres, Sylvester und Neujahr, welche im bürgerlichen Leben eine so große Rolle spielen, lassen das bäuerliche fast unberührt. Sieht man von dem Vorgang des ‚Räucherns‘ am Sylvestertag abends als der zweiten Rauchnacht ab, so verlaufen diese zwei Tage, ..., ziemlich eintönig und werktäglich... Das Neujahr des Bauern trifft erst sechs Tage später, nämlich am ‚Perchten‘- oder Dreikönigstage.“ Der Grund dieses gegenüber dem bürgerlichen Neujahr versetzten Beginns des bäuerlichen Jahres ist schlicht in dem Umstand zu suchen, dass die Kirche jahrhundertelang ihren Jahresbeginn an „Epiphanias“ (6. Jänner) feierte – an dem Tage, an dem Jesus in den Wassern des Jordan getauft worden sein soll. Auch wenn sich die Kirche mit diesem Jahresbeginn letztlich nicht durchsetzen konnte, so bewahrte doch die bäuerliche Bevölkerung lange Zeit die Erinnerung daran und sah im „Dreikönigstag“ den festlichen Anfang ihres Jahres. Heute hat sich Silvester in seiner bürgerlichen Ausgestaltung nicht zuletzt durch den Einfluß der Medien allerorten durchgesetzt: Raketenschießen, Feste und nicht zu vergessen die Klänge der „Bummerin“ (Glocke am Wiener Stephansdom) und der anschließende Donauwalzer bestimmen landauf landab das feierliche Bild dieses Abends: in den Städten wie auf dem Land.