Die Altweibermühle in der Tiroler Fastnacht

Die ganze Welt träumt davon, ab einem bestimmten Alter auf Knopfdruck wieder jung zu werden. Auch Tirol kennt diesen Traum - allerdings mit einem etwas anderem, einem etwas brutalerem Hintergedanken.

Das Tiroler Brauchtum kennt keinen Jungbrunnen, in den man alt hinein und jung und frisch wieder heraussteigt. Bei uns werden die Alten in einer Mühle „zermahlen“. Diese „Altweibermühle“ kennen viele Tiroler Fastnachten. Praktisch sieht das so aus, dass Zuschauerinnen oben in die Mühle hineingeworfen werden und unten mehlbestäubt wieder herauskommen: Jünger sind sie, das sollte man ehrlicherweise anfügen, deswegen noch lange nicht. Und dies auch deshalb, weil eine „Altweibermühle“ in Tirol nicht als echter Jungbrunnen funktioniert, sondern als Maschine zur sozialen Ächtung. „Zermahlen“ wurden in den alten Fastnachten nämlich ausschließlich Frauen ab dreißig Jahren, die noch nicht verheiratet waren und/oder noch keine Kinder bekommen haben. Kinderlos geblieben, waren diese Frauen für die damalige Gesellschaft schlicht nutzlos. „Zermahlte“ man sie zu Mehl, so hatte ihr Leben wenigstens noch irgendeinen Sinn. Kinderlosigkeit war im alten Tirol also eine Schmach, die trefflich zu den sonstigen karrikierenden Aufführungen in der Fastnacht passte. Allerdings muß man hinzufügen, dass die Tiroler Volkskultur auch die Verfehmung von „alten“, ehelos und kinderlos gebliebenen männlichen Junggesellen gekannt hat. Auf diese wurden Spottgesänge verfasst - auf drastisch formulierte Darstellungen innerhalb der Tiroler Fastnacht hat man allerdings tunlichst verzichtet.