Fiecht/Stiftsmuseum
Gut sichtbar über der Autobahn thront das Benediktinerstift St. Georgenberg-Fiecht. Neben "ora et labora" wurde hier über die Jahrhunderte Kunst und allerlei Sehenswertes gesammelt. Ein Besuch im Stiftsmuseum.
Georgenberg zählt neben Wilten zu den ältesten Stiften des Landes. Seit 16 Jahren wirkt dort Abt Anselm Zeller. Die Führungen durch das Museum sind Chefsache, er übernimmt sie selbst, auf Wunsch auch in englisch und französisch. Gleich zu Beginn wird man vor eine schmale, hohe Vitrine geführt, in der sich der Diamant der Ausstellung befindet: der Hartmannsstab. Auf den Abtsstab aus Silber, Elfenbein und Rosenholz ist man im besonderen Maße stolz. Er stammt aus dem 12. Jh. und soll eine Gabe des Bischofs Hartmann von Brixen an den befreundeten Abt Eberhard I. von Georgenberg gewesen sein. Um den Stab zur Gänze im Original zu sehen, muss man beide Stifte aufsuchen, denn in Georgenberg ist die romanische Krümme, in Neustift bei Brixen hingegen der aus Elfenbein geschnitzte Stab ausgestellt. Gelebte Ordensökumene. Bei allerhöchsten Anlässen findet der Stab heute noch Verwendung. Wie auch einige der ausgestellten liturgischen Gewänder. Das prächtige Pluviale beeindruckt tief, es wurde bei der nachmittäglichen Vesper getragen, die Kasel, die Stola, alles aus kostbaren Stoffen von gütiger – natürlich weiblicher – Hand bestickt. Unter den Gewändern stehen, ein wenig wie aus der Puppenstube, rote Stoffschuhe.
Die Museumspräsentation umfasst weiters liturgische Geräte, Reliquiare, Bossierarbeiten in Wachs, Druckgraphiken, Urkunden, Inkunabeln und Handschriften. Eine Nische wurde als Klosterzelle eingerichtet, darin steht ein Mönch mit Schreibfeder in der Hand. Die Inszenierung erinnert daran, dass Klöster intellektuelle Zentren waren, in denen für die Erhaltung und Weitergabe biblischer und philosophischer Texte gesorgt wurde. Will heißen: so mancher Mönch hatte die Lebensfüllende Aufgabe, per Hand Bücher abzuschreiben. Herausragend unter den Handschriften: ein Foliant aus der 1. Hälfte des 12. Jh. dessen Seiten aus der Haut von 40 Schafen gefertigt wurden. Ungefähr aus der gleichen Zeit, 1138, stammt die älteste Urkunde der Sammlung. Sie ist auch die bedeutungsschwerste, die Erhebungsurkunde von Georgenberg zur Abtei. Demnach wird das Stift – wie übrigens auch das Kloster Wilten – nächstes Jahr seine 875 Jahres-Feier begehen.
Exquisit auch die Sammlung Bildender Kunst. Klingende Namen wie Christoph Anton Mayr, Johann Pirkl, Wolfram Köberl sind im Stiftsmuseum zu finden. Von Köberl stammt eine aussagekräftige Votivtafel. Überaus narrativ wird darauf die Geschichte der Rückkehr der Pietà erzählt. Die Schmerzhafte Muttergottes aus dem Jahr 1430 wurde vor den geist- und instinktlosen Attacken der NS-Zeit in der Pfarrkirche Stans versteckt und am 1. Juli 1945 freudvoll und mit großem Festzug wieder auf den Georgenberg zurückgebracht.
Das Stift sollte man nicht verlassen, bevor man die Objekte aus den Ländern betrachtet hat, mit denen das Stift zusammenarbeitet. Ein eindrucksvoller Beweis für das internationale Netzwerk der benediktinischen Missionstätigkeit.
Info:
www.st-georgenberg.at