eins zu zwei – zwei zu eins

aut. architektur und tirol, Ausstellung

Eingangstür in drei Dimensionen von EOOS

Der Maßstab macht’s: In der Ausstellung „eins zu zwei – zwei zu eins“ (02.03.–16.06.2012) stellt das Innsbrucker aut. architektur und tirol die Frage nach Größenverhältnissen in der Alltagswelt. Die Kooperation des Designbüros EOOS mit the next ENTERprise – architects entstand auf Initiative des aut. Im Interview erzählen Marie-Therese Harnoncourt von the next ENTERprise – architects und Harald Gründl von EOOS von der Entstehungsgeschichte und den Inhalten der Ausstellung.

Wenn es um Größenverhältnisse geht, denkt man sehr schnell an die Perspektiven von Erwachsenen und Kindern. War das ein wichtiges Thema bei der Konzeption der Ausstellung?

Harald Gründl: Vor allem am Anfang war das ein sehr starkes Thema. Wir haben versucht, diesen noch unverbrauchten Blick von Kindern einzunehmen: die Überraschung, das Magische, das Träumen.

Marie-Therese Harnoncourt: Wir haben schon früher bei Ausstellungen, die wir für z. B. für das Kindermuseum in Wien gemacht haben, bemerkt, dass Erwachsene, wenn sie einen Raum betreten, Beschreibungen suchen und zu lesen anfangen, während Kinder sehr unvoreingenommen auf Visuelles und Raumatmosphären reagieren. Dieses Unvoreingenommene der Kinder hat uns interessiert.

Sie haben vorher noch nie gemeinsam eine Ausstellung konzipiert. Wie ist die Zusammenarbeit vor sich gegangen?

Marie-Therese Harnoncourt: Bei the next ENTERprise – architects sammeln wir am Anfang sehr viel. Wir interessieren uns immer sehr stark für das Umfeld, den Ort und seine Eigenschaften: Das sind strukturelle, inhaltliche Dinge, Begriffe, Eigenschaften, raumatmosphärische Dinge, die man in diesem Umfeld verortet. Aus dieser Fülle entsteht so ein Projekt. Diese Arbeitsweise ist der von EOOS sehr ähnlich.

Harald Gründl: Das stimmt. Bei EOOS haben wir, um Designforschung zu betreiben, das Werkzeug der „Poetischen Analyse“ entwickelt, das die Suche nach Bildern, Ritualen und Geschichten einschließt. Am Anfang fragen wir uns immer, wohin wir mit einem Projekt wollen, und bei vielen EOOS-Projekten gibt es eine sehr lange Recherchephase.

In der Entwurfsphase haben wir uns sehr oft getroffen, Gedanken ausgetauscht …

Marie-Therese Harnoncourt: … Arno Ritter vom aut hat uns eigentlich in ein Gespräch verwickelt, in dem es um Raum- und Dingwelten ging, um Erfahrungen des Kindes, das war sozusagen der Start für eine Diskussion, es ging um Wahrnehmungsverschiebung, um das Spielerische, um Wünsche, Mythologisches, das Entdecken, die Natur, um Imagination. Wie der Nutzer den Dingen gegenübertritt, das ist eine Sache, die EOOS und wir ganz ähnlich denken, obwohl wir aus unterschiedlichen Kreisen kommen.

Nachdem Sie in diesen Gesprächen die Grundzüge der Ausstellung festgelegt hatten, haben Sie aber jeder bestimmte Bereiche entwickelt …

Harald Gründl: Ja, wir haben in dieser Ausstellung drei unterschiedliche Beiträge, die sich auf die drei Bereiche der „poetischen Analyse“, auf Bilder, Rituale und Geschichten, beziehen: Als Bild haben wir etwas Typologisches ausgesucht, eine ganz einfache Bauernbank. Vor einigen Jahren waren wir eingeladen, für die Zeitschrift Quart einen Beitrag über das ein wenig verloren gegangene Kulturgut der Eckbank zu machen. Für die Ausstellung haben wir am Archetyp Bank weitergearbeitet, der nun im so genannten „Maßstabsraum zu sehen ist: eine ganz einfache Typologie einer Bank in unterschiedlichen Maßstäben. Von einer – auch für Kinder – ganz kleinen Bank bis zu einer, die fast so groß ist wie ein Stück von einem Haus.

Zum Ritual gibt es ganz am Anfang der Ausstellung eine Installation: eine Tür mit drei Türschnallen, sodass von ganz kleinen Leuten bis zu Riesen jeder durchgehen kann. Die Türe ist ein ganz starkes rituelles Element in der Architektur, und deshalb haben wir eine spezielle Türe entworfen, die auf das einstimmt, was in der Ausstellung passiert.

Für den Bereich der Geschichten haben wir Geschichten von Riesen und Zwergen gesammelt und im Ausstellungsraum so platziert, wie man bei Kindern, wenn man sie misst, einen Strich an der Wand macht.

Marie-Therese Harnoncourt: Wir haben eine Installation gemacht, die zwischen einer möglichen urbanen Interpretation und einem ganz kleinen Tool agiert, das gestapeltes Kinderzimmer. Dabei sind wir davon ausgegangen, dass Kinder gerne Höhlen haben, Raumsituationen, die ganz dicht sind, was auch – mit den Hochbetten für Kinder – von der Industrie entdeckt wurden. Deshalb haben wir ein Industrieprodukt hergenommen und gestapelt, wodurch ganz neue Raumsituationen entstehen, im Maßstab 1:3 könnte das auch ein Turm sein, der in der Stadt steht.

Unser zweiter Beitrag ist die Kleiderlandschaft. Ein Ausgangspunkt dafür war einerseits dieses kindliche Verkleiden, andererseits die Landschaft, die Natur, die eine unendliche Vielfalt an Möglichkeiten bietet. Das zusammenzubringen, war unser Gedanke.

Vieles von dem geht von der Erfahrungswelt des Kindes aus. Ist „eins zu zwei – zwei zu eins“ also eine Ausstellung für Kinder?

Marie-Therese Harnoncourt: Es ist auf jeden Fall so, dass es keine Kinderausstellung ist, sondern eine Ausstellung über Raumvorstellungen und – wie schon oft bei uns – geht es um das Gegenüber von Nutzer und Raum. Die Reise ist bei den Kindern losgegangen, aber es soll allen Spaß machen, Kleinen wie Großen.

„Eins zu zwei – zwei zu eins“ soll auch etwas sein, das sich verändert, dem man die Spuren der Nutzer ansieht. Das hat viel damit zu tun, dass wir in einer sehr genormten Welt leben, wo alles immer sehr abgezirkelt ist. In dem Sinn ist die Ausstellung ein Statement für das Unvoreingenommene, das Fantasievolle und dafür, dass es einen sehr großen Wert in unserer Gesellschaft haben muss.

Bilder
Kontakt:
aut. architektur und tirol
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6020 — Innsbruck

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Daten und Fakten:
Region
Innsbruck und seine Feriendörfer
Ort
Innsbruck

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