Tiroler Landestheater, Oper
Eine der düstersten Geschichten der Opernliteratur bringt das Tiroler Landestheater von 24. März bis 04. Juli 2012 auf die Bühne: „Jenúfa“ von Leoš Janáček.
Leoš Janáček, der „späte Wilde“, gilt bis heute als singuläre Erscheinung in der Musikgeschichte des 19./20. Jahrhunderts, zu dessen Orchesterwerken, Kammermusik – z. B. die Streichquartette „Kreutzer-Sonate“ und „Intime Briefe“ – und Opern kaum Vergleichbares zu finden ist. Das Opernschaffen Janáčeks umfasst unter anderen eine Vertonung von Dostojewskis „Aus einem Totenhaus“, „Die Sache Makropolous“ und „Katja Kabanowa“. In „Jenúfa“ (wie auch später in „Katja Kabanowa“) hatte Janáček ein tragisches Frauenschicksal vor Augen, das aus den gesellschaftlichen Zwängen der Entstehungszeit (1894–1903) resultiert: Jénufa, unehelich schwanger, soll den Kindsvater Števa erst nach einem Jahr Prüfungszeit heiraten können, und wird von ihrer Stiefmutter, der Küsterin, versteckt, bis sie das Kind zur Welt gebracht hat. Inzwischen vom Halbbruder Števas, Laca, aus Eifersucht mit einem Messer attackiert und entstellt, wird Jenúfa von Števa zurückgewiesen. Um ihre Ehre wieder herzustellen, tötet die Küsterin Jenúfas Kind, während diese schläft, und behauptet, es sei gestorben. Jenúfa soll mit Laca verheiratet werden, doch das tote Kind wird gefunden und die Küsterin gesteht den Kindsmord. Einen Hoffnungsschimmer bietet das Ende: Jenúfa verzeiht der Küsterin und beschließt, mit Laca aus dem Ort fortzugehen und anderswo ein neues Leben zu beginnen.
Janáček setzte die Geschichte dramaturgisch eigenwillig, kompositorisch großartig um – sogar der am eigentlich kaum denkbare versöhnliche Ausgang ist in der Musik nachvollziehbar gemacht. Regie und Bühnenbild lagen am Tiroler Landestheater in den Händen von Bruno Klimek, der u. a. an der Folkwang Universität in Essen lehrt. Er setzte das Werk sehr präzise in all seinen unterschiedlichen dunklen Stimmungen um, was sich auch in der Wahl des Bühnenbildes als schwarze Schachtel niederschlägt. Auch die Kostüme von Salha Fraidl und Julia Scheeler sind einem ähnlichen Ansatz verpflichtet: Für sie verwendeten die beiden Kostümbildnerinnen verschiedene schwarze Stoffe, sodass mehrere Schattierungen von schwarz zu sehen sind.
Die musikalische Leitung liegt bei Alexander Rumpf, in den Hauptrollen sind Christiane Libor/Jennifer Maines (Jenúfa), Hedwig Fassbender (Küsterin), Vincent Wolfsteiner (Laca) und Tilmann Unger/Ansgar Matthes (Števa) zu hören.
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