Tiroler Bauernregeln im April

„April tut was er will“ – oder tirolerisch: „Im ganzen April kann´s wettern, wie es will“ (Unterinntal). Ausgedrückt wird damit eine für die Jahreszeit typische labile Wetterlage, der man nur mit bäuerlichem Gleichmut begegnen kann – zwischen früher Kirschblüte und vernichtendem Frost ist alles möglich.

Trotz dieser aus jahrhundertelanger Erfahrung gewonnen Einsicht, haben sich dennoch bis heute überlieferte „Bauernregeln“ gehalten, welche die zukünftige Wetterentwicklung an bestimmten Tagen festmachen. So heißt es beispielsweise vom Georgitag (24. April): „Soviele Tage d´Frösch voar Jörg huß sind, so lange müaße se noach Jörge wieder dinn sein (Grän/Außerfern). D.h.: soviele Tage es vor Georgi regnet, soviele Tage wird es danach trocken sein. Oder ähnlich, aber umgekehrt, vom drauffolgenden Markustag (25. April): „So lange es vor Markus warm ist, so lange ist es danach kalt“ (Unterinntal). Langfristige Wetterprognosen haben sich also an für die bäuerliche Bevölkerung wichtigen Tagen festgemacht. Abgesehen davon, ob sich die Großwetterlage tatsächlich so genau daran gehalten hat, stellt sich aber noch ein weiteres Problem: die Kalenderreform von 1528. In diesem Jahr nämlich wurde vom Julianischen auf den Gregorianischen Kalender umgestellt, um sich auch kalendarisch an das astronomische Sonnenjahr anzupassen. Konsequenz: zehn Kalendertage wurden einfach übersprungen und so müsste z.B. „Georgi“ heute nicht mehr am 24. April, sondern am 3. Juni stattfinden. Es sei denn, diese „Bauernregel“ wäre erst nach 1528 „in Kraft gesetzt“ worden – dann kann die Bauernregel nämlich bleiben, wo sie kalendarisch bis heute ist. Wie man sieht, ist es auch mit den scheinbar simplen Regeln gar nicht so einfach.