Man hat so seine gewisse Vorstellungen von Frauen und Männern die regionale Trachten, Festtagsgewänder, tragen. Sind modische Attribute dabei erlaubt?
Tradition und Moderne ein Widerspruch – oder doch eine lebensnahe Kombination? Die Geschichte oder besser die Geschichten über das Tiroler Trachtenwesen sind ebenso facettenreich wie kontrovers. Fakt ist, dass in früheren Jahrhunderten sogenannte gesetzlich verordnete Kleiderordnungen genau bestimmten, welcher Stand welche Kleidung tragen durfte. Verbrämte, also teure Festtagsgewänder wären für eine Magd nicht nur finanziell, sondern auch wegen den Auflagen undenkbar gewesen. Dies hat sich geändert. Und doch darf man dabei nicht vergessen, dass Tracht und modische Neuheiten schon damals kein Widerspruch sein mußten.
Wer es sich leisten konnte, verwendete teurere Stoffe oder trug etwa modischen Schmuck. Dies änderte sich erst langsam im 20. Jahrhundert, wo man Trachten beinahe als Uniform ansah. So gab es in den sechziger Jahren bei den Tiroler Trachtenvereinen quasi eine normierte Auflage: Bei Trachtenaufführungen mußten die Mädchen und Frauen Zöpfe haben oder zumindest eine hochgesteckte Frisur mit Haarknoten. Kurzhaarträgerinnen waren verpflichtet eine (idealerweise blonde) Zopfperücke zu tragen! Dies hat sich – im Sinne einer lebendigen und nicht zu Tode gepflegten Volkskultur – geändert.
Wer heute die jüngeren Trachtenträger und Trachtenträgerinnen genauer betrachtet, der merkt, dass bunte Haarfarben, Piercings oder längere Haare bei Männern keine Ausnahmeerscheinung darstellen. Die Kleidung und damit auch die Tracht kannte Gesetze, geschriebene oder ungeschriebene, und wird sie immer kennen. Aber wie die Geschichte der Kleidung auch zeigt, sind die Fronten keineswegs starr - sonst gäbe es auch keine Geschichte(n) der Kleidung und man würde immer noch Felle tragen.
Kleider und die Frage was man oder frau wie, wann und wo trägt sind Zeichen – Zeichen, was man sein will und wohl auch was man sein darf. Trachten sind regionale „Identitäten“, von Traditionen bestimmt. Aber individuelle Eigenheiten müssen erlaubt sein. Denn dann ist eine wahrlich lebendige regionale Volkskultur garantiert – und der immer wieder angesprochene Generationenkonflikt erübrigt sich hier. Und der alte Spruch „Wie’s die Alten sungen, so zwitschern’s jetzt die Jungen“ sollte auch beim Trachtentragen nicht maßgeblich sein...