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Galt schia nui

29.05.2012

Fiss/Museum

Das ehemalige Wohnhaus der Familien Pale und Pregenzer in Fiss blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück und wird heute als Museum geführt. In Kürze kann man das Gebäude und dessen Bewohner noch tiefer ergründen – ein völlig neuartiges Ausstellungskonzept ermöglicht dies.

Mitten im alten Ortsteil von Fiss steht das s’Paules und s’Seppls Haus der Familien Pale und Pregenzer. Darin wurde gelebt, gewohnt, geliebt und gearbeitet. Zweifellos auch gestritten, denn die beiden Familien lebten mit bis zu 25 Personen in dem Haus, das kaum Privatsphäre erlaubte. Der Grund dafür ist in der im Oberland üblichen Realteilung zu suchen, die eine Splittung des Besitzes gemäß der Zahl der Nachkommen vorsah. Betroffen von dieser Erbform waren Grund und Boden, Haus und Hof. Diese „Mehrfamilienhäuser“ wiesen mehrere Stuben, Küchen, Arbeitsräume, Ställe, etc auf. Jede Familie beanspruchte ihre eigenen Räume. So auch in s´Paules und s´Seppls Haus, in dem sich zwei Küchen, zwei Stuben, Schlafkammern, zwei Ställe, Vorratsräume, eine Wagnerei und ein Plumpsklo besichtigen lassen.

Die Jahrhunderte hinterließen sichtbare Spuren – belegt durch archäologische bzw. frühgeschichtliche Funde, Raumaufteilungen und unterschiedliche bauliche Ebenen. Die lange Zeit überlieferte aber auch unzählige Legenden und Geschichten, die sich um Haus und Bewohner ranken. Einer der hervorstach war Isidor Pale. Er pflegte einen speziellen Lebensstil und eigenwillige Neigungen. Nächstens marschierte er mit einem Totenkopf durch das Dorf und beschrieb Hauswände – auch die seinen - mit Gedankengut, das aus heutiger Sicht Dadaismus-Nähe aufweist.

Das neue Ausstellungskonzept, an dem Museumskoordinatorin und Volkskundlerin Dr. Petra Streng in Zusammenarbeit mit den Museumsgestaltern von HG Merz und der Agentur jangled nerves momentan fieberhaft arbeitet, zielt auf eine ganzheitliche Präsentation ab, die dem Charakter und dem Charme des Hauses gerecht wird. Generell möchte man mehr kommentieren, weniger dokumentieren und Beschriftungen finden sich nur dort, wo sie unbedingt nötig sind. Der Besucher erschließt sich das Haus per Führung. In der Eingangszone finden Hörstationen Aufstellung. Dort kommen die Hausbewohner selbst zu Wort. Sie erzählen über das Zusammenleben im Haus, über Bräuche und Gepflogenheiten, über Arbeitsweisen und das dörfliche Geschehen. Sie fungieren als Zeitzeugen.

Von dort geht es in den Rossstall. Dieser ist mit einem von der Decke abgehängten, schwebenden Tisch ausgestattet, an dem man überblicksartiges Wissen über das Anwesen und natürlich auch über den kuriosen Isidor erhält. Weiters befinden sich in dem ehemaligen Stall, in dem auch die Führungen starten, zwei Modelle: eines verschafft räumliche Übersicht – wer lebte in welchen Zimmern? -,  das andere eine chronologische, dort wird mittels zeitlichem Raster die spannende Baugeschichte nachvollziehbar. Im ganzen Haus sucht man vergeblich nach den ansonst in Museen üblichen Vitrinen. Im Obergeschoß des Stadels werden zwei neue Räumlichkeiten eingebaut, sogenannte Boxen, eine widmet sich dem Brauch des Blochziehens, die andere wird  künftig Sonderausstellungen zur Verfügung stehen.

Zu besichtigen sein wird das neue Ausstellungskonzept in Fiss ab 5. Oktober 2012.

Info: Führung nach Anmeldung: 0650/6361848, www.museumsverein-fiss.at

Bilder
Daten und Fakten:
Region
tirol
Ort
fiss