Das Kasermandl

Das eigenartige Kasermandl zählt zu den bekanntesten Sagengestalten Tirols. Zahlreiche Almen „rühmen“ sich als herbst- bzw. winterliche Wohnstätte dieser verdammten Seele zu dienen.

Im Kern verbirgt sich im Kasermandl eine traurige Geschichte. Zu Lebzeiten nämlich soll es als Senner (Kaser) gearbeitet haben, aber mit dem „Almnutzen“ (also den dort hergestellten Produkten) nicht sonderlich sorgsam umgegangen sein – so verwendete es etwa die Butterkugeln schlicht und einfach zum Kegeln. Die Strafe konnte da natürlich nicht ausbleiben – der nichtsnutzige Senner wurde dazu verdammt, nach seinem Tode jährlich die Almhütten unsicher zu machen. Es hüte sich also der herbstliche Wanderer vor der Begegnung mit so einem Schalk! Das Kasermandl hat seinen Auftritt ab dem Zeitpunkt des Almabtriebes, wenn die Hütten also verschlossen und verlassen werden. Gewöhnlich muss es dann den ganzen Winter dort oben bleiben und geht erst wieder, wenn der Almauftrieb beginnt. Mancherorts ist das Strafmaß allerdings geringer ausgefallen: Das Kasermandl darf schon zu Martini wieder herunter. Dieser Abzug von der Alm mitsamt geisterhaften Tieren wurde gerade im Unterland (in der Gegend von Kufstein und Kitzbühel) gerne als „Almererfahren“ nachgestellt. Junge Burschen verkleideten sich als Tiere und Kasermandl, zogen lärmend in die Dörfer und rußten jeden, dem sie begegneten oder trieben sonstigen Unfug. Dieses Brauchtum ist leider ausgestorben – ganz im Gegensatz zum Kasermandl, dem man immer noch begegnen kann. Ist man Manns bzw. Frau genug, so kann man es sogar erlösen. Bietet es nämlich dem Wanderer ein Mus an, dann sollte man es auch essen. Was allerdings eine gewisse Überwindung erfordert, da es stark mit Dreck und Tierkot vermischt ist! Schafft man das allerdings, dann hat man wahrlich eine gute Tat vollbracht – die geschundene Seele des Kasermandls darf sich endlich aus dem Staub machen und ruhigeren Beschäftigungen nachgehen. Wanderer, höre es wohl!