Das gebaute Experiment

Osttirol/Architektur

Das SOS-Kinderdorf Nussdorf-Debant ist das zweitälteste Kinderdorf weltweit. Mit seinem einzigartigen architektonischen Konzept als Gartenstadt ist es nun auch eines der der fortschrittlichsten.

Nicht verwunderlich, dass das Projekt „Familiendorf Nussdorf-Debant“ bei den diesjährigen Architekturtagen, die unter dem Motto „Anders als geWohnt“ standen, besondere Erwähnung fand. Denn das 1955 gegründete Kinderdorf der Welt verwandelte sich durch ein klug-umsichtiges Architekturkonzept in ein integratives Familiendorf, das weltweit seinesgleichen sucht und im vergangen Mai eröffnet wurde.

Großangelegte Bauprojekte haben meist mehrere Mütter und Väter. In diesem Falle stießen die Marktgemeinde Nussdorf-Debant und das SOS Kinderdorf auf den Bauherren in Gestalt der Osttiroler Siedlungsgenossenschaft, die gemeinsam mit dem Innsbrucker Architekturbüro „FuchsundPeer“ den Bau realisierten. Das Ziel war, allen Bewohnern des Dorfes eigene, dennoch gleichwertige Wohneinheiten zu bieten, die im baulichen Verbund stehen und somit ein enges Miteinander bewirken. „Ursprünglich“, so Architektin Renate Benedikter-Fuchs, „sollten maximal 16 Häuser errichtet werden. Später erhöhte man die Dichte und stockte auf“. Heute umfasst der Komplex 38 Wohneinheiten. Davon entfallen sechs Häuser, drei Wohnungen und ein Verwaltungsgebäude auf das Kinderdorf, alles andere steht als sozialer Wohnbau zur Verfügung. „Ein völlig neu angelegtes System und für SOS Kinderdorf natürlich ein Experiment“ erklärt Benedikter-Fuchs. Das aufging.

Viele Familien mit Kindern zogen in das Familiendorf, darauf vertrauend, ein ideales und entspanntes Umfeld für den Nachwuchs vorzufinden. Zumal das Dorf völlig verkehrsfrei ist und Kinder gefahrlos im Freien spielen können. Den Fahrzeugen stehen die Tiefgarage resp. Parkplätze am „Dorfrand“ zur Verfügung.

Fast mediterranes Flair umweht den Besucher beim Eintritt in das Familiendorf: die hellen Gebäude werden von Straßen und schmalen Gässchen umgeben, kleine Vorplätze laden zur individuellen –meist floralen - Gestaltung ein und wer Lust auf einen Plausch hat, trifft sich am Dorfplatz mit Mitbewohnern oder Freunden. „Eigentlich fühle ich mich fast wie in Italien“ meinte auch tatsächlich eine der Bewohnerinnen „irgendwie ist immer Leben um mich herum“. Zur gelebten Integration gesellt sich noch gehörig viel Lebenslust. Kein Wunder, dass SOS Kinderdorf das Konzept der Gartenstadt beibehalten möchte.

Info: www.fuchsundpeer.com

Bilder
Daten und Fakten:
Region
Osttirol
Ort
Nussdorf-Debant