Ein Stück Tiroler Geschichte

Thomas Albrich (Hg.), Jüdisches Leben im historischen Tirol

Dem „Jüdischen Leben im historischen Tirol“ widmet sich ein dreibändiges Werk, das vom Historiker Thomas Albrich herausgegeben wurde und Ende 2012 im Haymon Verlag erschienen ist. Mit ausführlichen Textbeiträgen und gut ausgewählter Bebilderung schließt es eine Lücke in der Geschichtsschreibung über das historische Tirol.

Die Geschichte der jüdischen Gemeinden in Tirol und Vorarlberg im 19. und 20. Jahrhundert ist schon seit einiger Zeit gut aufgearbeitet, nicht zuletzt durch die Forschungen von Thomas Albrich und anderer Historiker an der Universität Innsbruck. Im Gegensatz dazu haben tiefer gehende wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit dem Thema für die Zeit seit dem Mittelalter bisher gefehlt. Dem begegnen die Autoren Thomas Albrich, Klaus Brandstätter, Heinz Noflatscher, Martin Achrainer und Sabine Albrich-Falch nun mit einem umfassenden Werk, in dem das politische, soziale, religiöse und kulturelle Leben der Juden in Tirol historisch aufgearbeitet ist.

Politische Rahmenbedingungen

Durch die detailreiche und vielschichtige Darstellung werden nicht nur viele Facetten der geschichtlichen Abläufe, regionale Besonderheiten und individuelle Geschichten beleuchtet, sehr gut nachvollziehbar wird vor allem die Abhängigkeit von ständig wechselnden politischen und sonstigen Rahmenbedingungen: Beispiele dafür sind auf der einen Seite der relative Schutz, den jüdische Geldgeber der Fürsten im Mittelalter genossen, auf der anderen Pogrome, denen Juden in großer Zahl zum Opfer fielen, wenn in Zeiten der Kreuzzüge oder von Bedrohungen wie der Pest religiöser Eifer überhand nahmen. Die Verbreitung verleumderischer Legenden über „Ritualmorde“ durch Juden – der bekannteste Fall in Tirol ist jener des „Anderl von Rinn“, das bis vor wenigen Jahren noch als Opfer jüdischer Grausamkeit verehrt wurde –, die Vertreibung und Verfolgung in unruhigen oder politisch totalitären Zeiten wie etwa während der Tiroler Erhebung von 1809 oder im Nationalsozialismus, als der Shoa auch zahlreiche Tiroler und Vorarlberger Juden zum Opfer fielen, kennzeichnen die Geschichte der Juden in Tirol.

Alltagsleben

Aber nicht nur extreme Ereignisse wie diese sind Thema von „Das jüdische Leben im historischen Tirol“, auch Alltagsleben, gesellschaftliche Stellung, Ansiedelungsbeschränkungen oder andere Regelungen, die auf die in Tirol lebenden Menschen direkten Einfluss hatten, wurden genau recherchiert und sind gut lesbar aufbereitet. Einen zusätzlichen Einblick in die Geschichte der Juden in Tirol (und auch in größeren Zusammenhängen) geben die zahlreichen Bilder, die nicht nur die Texte illustrieren, sondern darüber hinaus eine eigene Geschichte erzählen. So liegt mit „Jüdisches Leben im historischen Tirol“ eine Publikation vor, die nicht nur wissenschaftliches Werk, sondern auch Lese- und Bilderbuch ist.

Thomas Albrich (Hrsg.): Jüdisches Leben im historischen Tirol
Von den Anfängen bis zu den Kultusgemeinden in Hohenems, Innsbruck und Meran
ISBN 978-3-85218-692-4
1360 Seiten
3 Bände im Schuber, mit zahlreichen Farbabbildungen
Euro 69,90

Bilder
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Daten und Fakten:
Region
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