Spielen und Strampeln

Hall/Musik

„Drau/Drava KlangMobil“ so nennt sich ein mehrjähriges Projekt des Haller Komponisten Günther Zechberger das am 28. Juni in Maribor startet. Die Kulturredaktion besuchte den Komponisten in seinem Studio im Lobkowitzgebäude in Hall.

Mit dem Projekt „Drau/Drava KlangMobil“ bringen sie die Musik zu den Menschen, nicht wie üblich, den Besucher zur Musik. Warum ausgerechnet die Drau

Im Jahr 2006 startete ich ein Projekt an der Drau, ein Fluss, der sprachlich fünf Länder berührt: er entspringt in Toblach in Italien, fließt durch Tirol, Kärnten, Slowenien und  wird zum Grenzfluss zwischen Ungarn und Kroatien. Und in allen Sprachen, bis auf das Deutsche, heißt der Fluss Drava. Mit zwei Begriffen, deckt man fünf Sprachen ab. Das hat mich schlicht fasziniert.

Ich wollte mit meiner Musik mobil und im öffentlichen Raum sein – so entstand Drau/Drava KlangMobil. Der freie Raum besitzt spannende Facetten und man erreicht Leute, an die man nie kommen würde. Überdies verfügt z.B. ein Flusslauf über unglaublich reizvolle Naturräume. Es gab aber noch einen zusätzlichen Impuls von kroatischer Seite: man erzählte mir in Osijek, dass man versucht, den Drau Radweg wieder zu beleben. Die Stadt litt sehr unter dem Krieg, war geradezu traumatisiert und bemühte sich dennoch, kulturell wieder etwas auf die Beine zu stellen. Das wollte ich unterstützen und verlegte mein Tun auf den Radweg. Alles fuhr Rad, auch die Musiker und über ein speziell konstruiertes Ü-Rad (analog zum Ü-Wagen) übertrugen wir live über Internetradio (www.dravaradio.eu).

Es ist ein offenes Projekt ohne vorgegebenes Programm, es entwickelt sich so wie der Strom fließt und man weiß im Vorfeld nie wann/wo/was/mit welchem Team stattfindet?

Es gibt eine kleine Stammcrew, die immer mit von der Partie ist. Jeder von diesen ist angehalten, wiederum Leute mitzubringen, die Kreise werden also immer größer. Wir wissen vorher nie, was wir spielen werden, das Programm ergibt sich aus den vorhandenen Künstlern. Derlei offene Konzepte sind meine große Leidenschaft. So weiß ich heute noch nicht, wie es im Juni weitergehen wird, wer zu Beginn der dritten Etappe musizieren oder lesen wird. Da muss man natürlich über ein gerüttelt Maß an Flexibilität verfügen und es braucht viel geistige Mobilität - die körperliche gesellt sich dann dazu.

Drau/Drava KlangMobil ist interdisziplinär, eine bedeutende Rolle spielt etwa die Architektur und vor allem die Literatur, die musikalisch-literarischen Interventionen werden live auf www.dravaradio.eu, also im Internetradio übertragen. Internetradio ist deswegen so faszinierend, da man es von jedem Punkt der Welt aus betreiben und hören kann. Und man ist absolut frei: über dravaradio.eu senden wir wann, was und wie wir wollen. Alles ohne Zensur. Ich appelliere immer an meine Komponisten-Kollegen und bitte sie, mir Material zu senden, wir verfügen über unbegrenzte Sendezeit.

Das Internetradio, das natürlich mehrsprachig ist, kann man als besonderes Liebkind von mir bezeichnen. Es ist eigentlich eine recht einfache Sache. Drau/Drava KlangMobil verfügt über einen sechs Meter hohen Turm, den wir immer mit uns führen und überall aufbauen. Die Architekten sind gefordert, den Turm in den landschaftlichen Kontext zu stellen, temporär.

Drau/Drava KlangMobil setzt nicht nur künstlerisch Akzente, sondern auch ökologische. Die benötigte Energie kommt aus einem transportablen Photovoltaiksystem und diese versorgt wiederum ein speziell entwickeltes Soundsystem.

Ja, wir entwickelten ein eigenes, neues Energiekonzept und bauten z.B. Verstärker, die nur 10% der üblichen Energiemenge benötigen. Mit Solarenergie und Akkus lässt sich die Veranstaltung ganz gut beschallen. Die während des Radfahrens entlang der Drau entstandene Musik muss übertragen werden. So kreierten wir das vorhin schon erwähnte Ü-Rad, das ein ungemein charmantes Surrounding besitzt.

Das Projekt ist mehrjährig und Etappenförmig ausgelegt. Letztes Jahr wurde gestartet heuer folgen Etappe 3 und 4. Wann und wo wird heuer gestartet?

Die dritte Etappe startet am 28.Juni in Maribor und endet am 6. Juli in Virovitica. Dazwischen liegen die Stationen Ptuj (29.06.), Ormož (01.07.), Varaždin (02.07.), Koprivnica (04.07.). Die 4. Etappe nimmt ihren Anfang am 30. August in Lienz und führt bis Selkach in Kärnten, wo wir am 5. September ankommen werden. Dazwischen fahren wir die Stationen Oberdrauburg (31.08.), Spittal an der Drau (02.09.) und Villach/Beljak (04.09.) an. So alles planmäßig läuft, endet das Projekt Dau/Drava - KlangMobil nächstes Jahr.

www.dravaradio.eu

www.gegenklang.eu

www.zechberger.at

Bilder
Daten und Fakten:
Region
Hall
Ort
Hall