Sensenmähen - Schwerstarbeit in Hanglage

Was im Wellnesszeitalter als besonders gesundheitsfördernd beworben wird, war früher gar nicht geliebte Alltagsrealität.

Heutzutage wird im Grunde nur noch dort gemäht, wo man nicht mit dem Traktor hinkommt. Wenn der Bauer noch zur Sense greift, dann zur schnellen Beschaffung von Grünfutter für´s Kleinvieh - ein paar Quadratmeter, das war´s. Somit haben auch unsere Bauern heute keine Ahnung mehr, was diese Arbeit einst bedeutete und vor allem wie sie in die Knochen ging - wochenlang, und bis zu sechzehn Stunden am Tag. Vorweg ging der Großknecht - er war der stärkste und schnellste Mäher (bis zu 600 qm in der Stunde soll der eine oder andere dabei geschafft haben). Dahinter, seitlich versetzt, folgten jeweils die anderen - bis zu acht, zwölf Männer hintereinander. Auf drei Mäher folgte dann jeweils eine Magd, die das geschnittene Gras aufwirbeln, zum Trocknen auseinanderschütteln musste. Wenn sie mit ihrer Arbeit langsamer als die Mäher war, dann setzte es Spott und Hohn: Die Männer zogen den Wetzstein aus dem Kumpf und fuhren damit über den Rücken ihrer Sensen, was einen widerlichen Ton erzeugte. "Bockfeilen" nannte man das, oder auch "Hundaufgeigen". Aber auch umgekehrt: war die Magd schneller, dann zog sie ihrem Vordermann heimlich den Wetzstein heraus und strich nun ihrerseits über den Rücken ihres Taschenmessers. Männer und Frauen haben sich nichts geschenkt.

Vollends zur Tortur wurde das Mähen allerdings in den steilen Berghängen, dort, wo man Steigeisen benutzen musste oder gar auf allen Vieren unterwegs war, um noch das letzte Büschelchen Gras zu ergattern. In der rechten Hand die kurzstielige Sense ("Hacker") und in der linken Zweige von Alpenrosen als "Heurechen" - so muß man sich die Arbeit vorstellen, die nur uns im Nachhinein idyllisch vorkommt. Viele Edelweißsterne sollen übrigens unter dem Bergheu gewesen sein, erzählt man sich. Und viele Tote, die die Arbeit nicht überlebt haben. Gutes Heu, duftende Almkräuter - alles hat eben seinen Preis.