Auf Hochglanz gebracht

Innsbruck/Kunsthandwerk

Der Innsbrucker Stadtteil St. Nikolaus ist durch die Ansiedlung von Ateliers, Agenturen und Lokalen ziemlich hip geworden. Doch durch ein paar Gassen weht immer noch die Luft von anno dazumal, etwa durch die St. Nikolausgasse. Unprätentiös und fast zum Übersehen liegt dort die Werkstätte des sakralen Goldschmieds Armin Deussl. Die Kulturredaktion hat ihn besucht.

Monstranzen, Kelche, Leuchter, Heiligenfiguren - in Kirchen glänzt und blinkt es allerorten. So gehört es sich, so ist man´s gewöhnt. Doch legt sich auf die oft sehr alten und kostbaren sakralen Goldschmiedearbeiten recht gerne profaner Staub oder klebriger Ruß nieder. Was dazu führt, dass die kunstvoll gearbeiteten Objekte matt und stumpf werden und sich das Metall unschön verfärbt. In solchen Fällen und natürlich vor allem dann, wenn Metallobjekte ihren Dienst verweigern und defekt sind, hilft nur noch einer: der sakrale Goldschmied.

Armin Deussl durchlief die beste Ausbildung, die man sich vorstellen kann, die durch seinen Vater. Auch dieser war Gürtler und Ziseleur, wie der Beruf korrekterweise heißt, denn auf die sakrale Goldschmiedekunst spezialisiert man sich während der Ausbildung. Walter Deussl lernte das Handwerk bei der Fa. Friedrich in der Innsbrucker Seilergasse, wo Anfang der Fünfziger Jahre zeitgleich zwei Lehrlinge ausgebildet wurden: Walter Deussl und Bruno Gironcoli – ihm verdankt man heute noch beste Beziehungen zur Kunstszene. 1968 kam es zur Gründung der Werkstätte in St. Nikolaus, die sich über drei Ebenen erstreckt (Keller, Erdgeschoss und 1. Stock) und als Walter Deussl vor vier Jahren in Pension ging, übernahm Sohn Armin den Betrieb.

Welche Äbte wo amtieren oder welche Pfarre von wem geleitet wird, kann Armin Deussl im Schlaf aufsagen. Seine größten Auftraggeber finden sich unter den kirchlichen Würdenträgern landauf landab und darüberhinaus. So wurden schon Kirchenschätze aus Holland, Brasilien oder Afrika wieder auf Vordermann gebracht. Zahlreiche Aufträge kommen aber auch aus dem Landesdenkmalamt oder etwa von Institutionen wie der Universität Innsbruck. Armin Deussl erinnert sich gerne an die Nachbildung des Universitäts-Szepters aus der Kaiserzeit, auf das die angehenden Akademiker ihren Treueeid schwören. „Gewöhnlich bringt man mir die zu restaurierenden Objekte in die Werkstatt und holt sie auch wieder ab. In diesem Fall war das völlig anders, da haben wir gemeinsam mit dem damaligen Rektor das nachgebildete Szepter nach Olmütz befördert“.

Sorgen um seine Nachfolge macht sich Armin Deussl keine, die rekrutiert sich voraussichtlich aus der eigenen Familie. Viel mehr Gedanken macht sich der Metall-Virtuose um das Gewerbe an sich. Kaum mehr taugliches Feinmaterial wie etwa die unverzichtbaren kleinen Schräubchen sind zu bekommen und außerdem gibt es immer weniger Werkstätten. Denn das Metier ist überaus aufwändig: nach der Ausbildung sollte man ca. 10-15 Jahre Erfahrung sammeln um der höchst diffizilen Arbeit gewachsen zu sein.

Neben seiner Tätigkeit im Betrieb unterrichtet Armin Deussl an der HTL Innsbruck, Sparte: Metall. Seit nunmehr 20 Jahren macht er dies und es erfüllt ihn sichtlich mit Stolz, dass er bereits drei Schüler als Gold- und Silberschmiede bei der Fa. Norz in Innsbruck unterbringen konnte.

Info: Armin Deussl, Sakraler Goldschmied und Metalldesigner, St. Nikolausgasse 22, A-6020 Innsbruck, 0512/28 64 34

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Daten und Fakten:
Region
Innsbruck
Ort
Innsbruck