Bauen mit Holz

Alpbach/Architektur

Anfang des Jahres lädt proHolz Tirol traditionellerweise nach Alpbach ein. Dann wird intensiv über die Zukunft und die vielfaltigen Möglichkeiten des Holzes nachgedacht. Im Jänner 2014 drehte sich alles um das Bauen mit dem wichtigsten nachhaltig verfügbaren Rohstoff. Die Kulturredaktion war in Alpbach dabei und ergänzt das Gehörte durch einige Positionen des Tiroler Architekten Jörg Streli.

Betrachtet man das landesweite Bauvolumen, so ist der Anteil des Holzbaues daran durchaus beachtlich. Und er steigt stetig. Vor allem im Wohnbau ist der Rohstoff Holz nicht mehr wegzudenken. Potentiale bestehen im mehrgeschossigen Wohn- und Kommunalbau wie auch im Industrie- und Gewerbebau. Wie in so manchen Bereichen, übernimmt auch im Holzbau das Nachbarland Schweiz Vorbildcharakter. So wurden dort in den letzten Jahren selbst in urbanen Zonen zahlreiche mehrgeschossige Wohngebäude errichtet. Zwei von proHolz Tirol eingeladene Referenten aus der Schweiz, der Pionier in Sachen Vorfertigung Max Renggli und der Architekt Peter Sandri, verdeutlichten, dass der Holzbau der Zukunft auf der Synergie zwischen neuer Architektur und Energie basiert. Sie beide sind Mitglieder eines Gesamtschweizerischen Netzwerkes, das unter dem Namen „Architos“ seit nunmehr 15 Jahren Architekten und Baufirmen zusammenführt. Der Vorteil eines schlagkräftigen Netzwerkes besteht im kontinuierlichen Wissens-Austausch wie auch etwa in gemeinsamen Marktauftritten. Hervorgehoben wurde von den beiden auch der Stellenwert der Vorfertigung von Bauelementen, wodurch eine blitzschnelle Errichtung resp. Bezugsfähigkeit der Gebäude gewährleistet wird.

Jörg Streli

„Man sollte aber auch nicht den Fehler machen, den Holzbau ausschließlich unter einem ökonomischen Aspekt zu betrachten“ meint Architekt Jörg Streli, der sich, gemäß Eigendefinition, als „Spätberufener in Sachen Holzbau“ bezeichnet. Mit der Realisierung einer Verkaufshalle für einen Sportartikelhändler in Brünn am Gebirge im Jahr 1997 versuchte er sich erstmals im industriellen Holzbau. „Was lag näher als bei Sport an Outdoor und somit an Holz zu denken“? Überdies hatte Streli die Vorgabe, den Bau in fünf Monaten fertigzustellen, was eben lediglich durch die Verwendung von vorgefertigten Holzelementen, die in Brünn raffiniert zu einem anmutigen Muster angeordnet wurden, möglich war. In der Natur der Sache lag der Einsatz des Baustoffes Holz beim Bau der Holzwerkstätten nebst Turnhalle der HTL Mödling (2004). „Eine große Herausforderung“, erinnert sich Jörg Streli, „denn immerhin galt es 27m Spannweite zu überbrücken“. Gemeistert wurde das Problem mittels eigens konstruierter Sperrholzplatten.

Der "kühlste" M-Preis

Strelis tiefes Vertrauensverhältnis zum Tiroler Großunternehmer Hansjörg Mölk führte zur Errichtung der M-Preis-Zentrale in Völs (2001), sowie einiger Supermärkte in Tirol und Salzburg. Auf seinen ersten in Bramberg/Pinzgau (2005) schaut der Architekt fast nostalgisch zurück und ist stolz darauf, dass dieser als „kühlster M-Preis“ gilt – gewissermaßen ein Adelsprädikat im Bau von Lebensmittelmärkten. Der wohltemperierende Effekt ist nicht zuletzt auf einen aus horizontalen Holzlamellen bestehenden Sonnenschutz zurückzuführen. „Ich machte mir einfach einen unschlagbaren Vorzug des Holzes, das ja überhaupt nicht reflektiert, zunutze“.

Übrigens: Strelis renommiertester M-Preis befindet sich in Thaur. Präsentiert auf der Architekturausstellung der Biennale von Venedig 2004 gilt das Gebäude mittlerweile als Paradestück der Tiroler Baukultur.

Soeben sind zwei neue Publikationen erschienen:

„jörg streli architektur“, Eigenverlag, mit Texten von Christl Finkenstedt, Andreas Kuen und Jörg Streli.

„Einblicke. Arbeiten von Karl Heinz“, Eigenverlag.

Beide erhältlich bei Frytag &Berndt, Wagnersche Buchhandlung, etc.

www.proholz-tirol.at

Bilder
Daten und Fakten:
Region
Kufstein
Ort
Alpbach