Reisender im Ärmelwams

Innsbruck/Buch-Neuerscheinung

Der Tiroler Jakobswegforscher Peter Lindenthal übertrug einen bedeutenden Reisebereicht aus der Mitte des 17. Jh. in eine heute gebräuchliche Sprache. Das im Februar 2014 erschienene Buch „Peregrinatio Compostellana“ vermittelt einen aufschlussreichen Einblick in das barocke Europa.

Warum ausgerechnet Christoph Guntzinger? Stellt man dem Jakobswegforscher Peter Lindenthal diese Frage, kommt die Erklärung ohne Zögern: „Dieser Mann unternahm zu seiner Zeit eine Monsterreise und verfasste darüber einen Bericht, der in seiner Ausführlichkeit einzigartig ist.“ Vergleichbar wäre da lediglich Goethes „Reise nach Italien“, doch da liegt man zeitlich schon deutlich später.

Christoph Guntzinger war Pfarrer und reiste als solcher im Schutz der Kirche. Als Pilger war er von Zöllen befreit und konnte eine spezielle Infrastruktur nutzen. Einem Gelübde folgend, führte die Reise zum Heiligen Jakobus nach Santiago de Compostela. Von Wiener Neustadt aufbrechend, legte er insgesamt 6000km zurück. Für die damalige Zeit eine unglaubliche Strecke, die er, ganz wider die Pilgermanier, zu Pferd, Kutsche oder Schiff zurücklegte. „Er war mehr Reisender und nicht unbedingt ein Pilger“ so Lindenthal, der die gesamte Strecke nachfuhr- oder –ging. „Guntzinger benutzte das damalige Straßennetz, machte ziemliche Umwege und war nicht zwingend auf den klassischen Pilgerrouten unterwegs“. Er reiste zunächst über die Steiermark, Kärnten und Friaul zum Grab des hl. Antonius nach Padua, über Mailand nach Genua und von dort per Schiff über das Mittelmeer bis nach Xàbia südlich von Valencia. Weiter gings über Madrid und Valladolid nach Nordwesten, um bei Astorga auf den heute klassischen „Camino frances“ zu gelangen. Nach beinahe vier Monaten, erreichte er sein Pilgerziel. Zurück gings über Oviedo, Burgos, San Sebastian, Toulouse, Lyon, Genf und München nach Wiener Neustadt. Insgesamt war der Geistliche  11 Monate auf Reisen. Eigentlich recht rasant, besonders vor dem Hintergrund der einst sicherlich eingeschränkten Reisemöglichkeiten. Lindenthal rückt zurecht: „Das damalige Europa war schon ganz gut organisiert und gebildete Menschen führten durchaus ein bewegtes Leben“. So kreuzten etwa zwei adelige Herren aus Kufstein Gutzingers Weg durch Frankreich und boten ihm an, sich ihnen anzuschließen.

Peter Lindenthals Fährtensuche nahm etwas mehr Zeit in Anspruch. Insgesamt sieben Jahre recherchierte, forschte und bewegte er sich auf den Spuren des barocken Pfarrers und lernte dabei Orte kennen, die gewöhnlich unentdeckt bleiben. Im Gegensatz zu Guntzinger, hielt Lindenthal seine Eindrücke fotografisch fest, Bilder, die Eingang ins soeben erschienene Buch fanden. Die Reise des Pfarrers Guntzinger stellt eine Ergänzung und Weiterentwicklung des Pilgerreisens dar. Liest man den neu aufgelegten Bericht, erkennt man, dass sich die Empfindungen und Vorlieben der Reisenden einst und jetzt gar nicht so arg voneinander unterscheiden.

Info: Peter Lindenthal, Peregrinatio Compostellana anno 1654

Auf den Spuren des Jakobspilgers Christoph Guntzinger

Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2014

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Daten und Fakten:
Region
Innsbruck
Ort
Innsbruck