Blickwechsel

Innsbruck/Kulturpolitik

Maria-Luise Mayr und die Kultur – eine symbiotische Angelegenheit. Bereits mit 18 Jahren begann die gebürtige Imsterbergerin im Innsbrucker Kulturzentrum Utopia zu wirken, später leitete Mayr sechs Jahre lang das Kulturamt der Stadt Schwaz. 1994 gründete sie mit dem Pianisten Thomas Larcher das Musikfestival Klangspuren, dessen organisatorische Gesamtleitung bis 31. Jänner 2014 in ihren Händen lag. Seit Februar 2014 ist Maria-Luise Mayr Kulturamtsleiterin der Stadt Innsbruck. Die Kulturredaktion stattete ihr einen Besuch ab.

Kulturredaktion: Frau Mayr, wie geht es Ihnen?

Maria-Luise Mayr: Ausgesprochen gut! Persönlich und beruflich. Momentan fehlt mir natürlich auch die Zeit um ausgiebig über mein Befinden nachzudenken. Ich kann schwimmen und zwar auch im kalten Wasser - das finde ich übrigens ohnehin erfrischender als warmes.

KR: Erklären Sie uns die Gründe Ihres Jobwechsels?

Mayr: Irgendwie spürt man, wenn sich etwas dem Ende zuneigt, wenn man merkt, dass es gut ist, wenn etwas Neues kommt und man ein Projekt – wie in meinem Fall ein Festival – in neue Hände legen kann. Der Gedanke, etwas Neues zu beginnen, beschäftigt mich seit ca. zwei bis drei Jahren. Und sobald sich dann eine entsprechende Chance bietet, greift man eben danach.

KR: Sie wechselten von der Festival- zur Amtsleiterin, von der Geldsuchenden zur Geldgeberin. Somit kennen Sie die Gefühle derer, die zu Ihnen kommen werden. Macht das Ihre Tätigkeit leichter?

Mayr: Sowohl als auch. Natürlich sind mir die Nöte bekannt. Doch bin ich nicht die, die über die Budgets frei verfügen kann. Diese werden von den politischen Gremien festgelegt, also vom Kulturausschuss, dem Stadtsenat und dem Gemeinderat. Ich kann natürlich wohlwollend empfehlen, doch sonst sind mir die Hände gebunden.

Was ich versuchen kann und werde, sind allenfalls Türen zu öffnen und Kontakte zu legen, die mir aus meiner früheren Tätigkeit vertraut sind.

KR: Was sind die nächsten großen Herausforderungen?

Mayr: All die Bereiche kennen zu lernen, die in meinen Zuständigkeitsbereich fallen. Die da sind: das Stadtarchiv/Stadtmuseum, die Büchereien und die Musikschule. Ich werde mich mit den jeweiligen MitarbeiterInnen bekannt machen, den Status quo und die Bedürfnisse abfragen.

Besonders vordringlich sind Projekte wie „Innsbruck liest“ , das auch 2014 wieder stattfinden, und natürlich auch „Writer in Residence“ - ein Projekt der hiesigen Universität, bei dem die Stadt Innsbruck die Kosten für die Übernachtung des „writers“ trägt. Dieses Jahr wird das die Autorin Tsitsi Dangarembga aus Zimbabwe sein.

KR: Stehen auch die Festwochen der Alten Musik auf Ihrer Agenda?

Mayr: Nur soweit, als die Förderung, die die Stadt diesem jährlichen Festival angedeihen lässt, über mein Budget läuft.

KR: Was sind Ihrer Meinung nach die kulturellen Alleinstellungsmerkmale der Innsbrucker Kulturszene?

Mayr: Wirklich außergewöhnlich ist die bunte Vielfalt. Man kann durchaus von einer blühenden Wiese sprechen. Im Vergleich zu Bregenz oder Salzburg, die ja mit ihren großen, altbewährten Tankschiffen unterwegs sind, ist Innsbruck einfach viel wendiger und breiter aufgestellt. Bei uns bringt das Volk Kunst und Kultur hervor.

Betrachtet man etwa die Off-Theater-Szene, die erreichte in den letzten Jahren ein erstaunlich hohes Niveau. Oder nehmen wir die Musik mit ihren vielen Sparten – von Rock, Pop, Jazz, Klassik, elektronischer Musik bis zu den diversen DJs. Das ist auch alles recht gut sichtbar und abgebildet in unserer Stadt und es wird überdies auch jede Generation und Neigung angesprochen. Jeder findet sich mit seinen Interessen wieder.

Diese Buntheit gilt es unbedingt zu erhalten, es muss weiterhin blühen. Als Stadt hat man die Aufgabe breit zu fördern und dabei darf man nicht übersehen, dass auch bescheidenere Beträge das Wachstum voranbringen. Sie sehen, ich bin gar nicht gegen die Benutzung der Gießkanne. Bedient man sich einer bildlichen Sprache, lässt sich das so formulieren: Die Stadt gießt den im Erdreich steckenden Samen, auf dass das Gewächs wächst und wenn es zu blühen anfängt, gesellen sich Bund und Land dazu, um ihrerseits das Wachstum zu unterstützen.

KR: Sie haben bei den Klangspuren vor allem auch Kinder- und Jugendprojekte vorangetrieben. Werden Sie diesen Schwerpunkt in ihre Arbeit für Innsbruck übernehmen?

Mayr: In dieser Hinsicht gibt es natürlich schon Wünsche, doch betrifft das meistens Ideen und Projekte, die bereits von meinen Vorgängern voran gebracht worden sind.

Die Initialzündung für kulturelle Projekte muss aus der Bevölkerung kommen, oder aus den diversen Vereinen. Und dann kann man davon ausgehen, dass ich alles wohlwollend behandeln werde.

KR: Denken Sie noch oft an die Klangspuren?

Mayr: Ich habe definitiv abgegeben und glaube fest an meine Nachfolgerin. Diese soll keinesfalls das Gefühl haben, dass da jemand hinter ihr steht, der das Geschehen beobachtet. Doch sollte es ihrerseits Fragen geben, stehe ich natürlich jederzeit zur Verfugung. So wie ich meinerseits froh bin, wenn ich bei Bedarf meine Vorgänger behelligen darf. Es ist doch jeder für Unterstützung dankbar!

KR: Wenn eine Fee vor Ihnen stehen würde und Sie hätten drei Wünsche frei. Welche wären das?

Mayr: Ich habe nur einen Wunsch, der ist allerdings ein wenig unbescheiden: dass ich mir immer wieder was wünschen darf. Nicht nur hier und jetzt.

Info: www.innsbruck.gv.at

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Innsbruck
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Innsbruck