50 Jahre Brenner-Archiv

Innsbruck/Literatur

Georg Trakl, Ludwig Ficker, Rainer Maria Rilke, Karl Kraus...im Brenner-Archiv in Innsbruck stößt man auf große Namen aus Literatur und Philosophie. Nun wurde das Archiv 50 Jahre alt - ein Grund zum Feiern.

Das intellektuelle und dichterische Schaffen Europas zu Beginn des 20. Jh. fand im Brennerkreis ein Forum der Begegnung. Im Jahr 1910 gründete Ludwig von Ficker die halbjährlich erscheinende Zeitschrift "Der Brenner". Der Titel bezog sich einerseits auf den gleichnamigen Pass, großes Vorbild war aber die satirische Zeitschrift "Die Fackel" von Karl Kraus. "Der Brenner" wurde gleichsam zu einer Plattform des Gedankenaustausches und zum Seismographen für neue kulturelle und geistige Strömungen. Große Denker und Philosophen wie Rilke, Trakl, Kraus, Carl Dallago oder Josef Leitgeb waren dem Brenner aufs Engste verbunden. Während des 1. Weltkrieges wurde die Produktion eingestellt, erst 1919 wurde mit der Herausgabe der Zeitschrift fortgesetzt. In diesem Jahr schrieb von Ficker: "Der Brenner will das Beispiel einer geistigen Erhebung bieten".

Aus dem Keller in die Höhe

1964 verkaufte Ludwig von Ficker sein Redaktionsarchiv an die Republik Österreich – und legte somit den Grundstein für das Brenner-Archiv. Zum Redaktionsarchiv gehörte ein beträchtlicher Teil des Trakl-Nachlasses, Manuskripte von Redaktionsmitgliedern und die umfangreiche Korrespondenz Ludwig von Fickers mit u.a. Paul Celan, Martin Heidegger, Karl Kraus, Else Lasker-Schüler, Christine Lavant, Rainer Maria Rilke, etc. Das Archiv, eines der ersten im deutschen Sprachraum, wurde 1979 zum eigenständigen Forschungsinstitut erhoben und wanderte aus den Keller-Räumen der Universität am Innrain in ein modernes Literaturzentrum mit integriertem Literaturhaus in der nahegelegenen Josef-Hirn-Straße. Im Lauf der Zeit konnten zahlreiche große Projekte zu Ende gebracht werden, etwa eine Wittgenstein-Edition, die historisch-kritische „Innsbrucker Trakl-Ausgabe“, die Biografie des Südtiroler Philosophen Carl Dallago und vieles mehr. Mit dem Lexikon „Literatur in Tirol“ und der „Literatur-Land-Karte Tirol“ schufen ForscherInnen des Archivs auch online frei zugängliche Portale, die einen umfassenden Überblick über die Tiroler Literaturlandschaft bieten.

Tagung zum 50iger

Zum Jubiläum Mitte Juni fand eine Tagung mit dem Titel: „Erster Weltkrieg: Attraktion und Trauma“ statt. Dabei wurden zwei Publikationen präsentiert, deren Geschichte bis in die Anfänge des Archivs zurückreichen: die „Brenner-Gespräche“, die Walter Methlagl (1964 - 2001 Leiter des Archivs) in den Jahren 1961-67 mit Ludwig von Ficker führte, sowie den Briefwechsel zwischen Ficker und Ludwig Wittgenstein.

www.uibk.ac.at/brenner-archiv

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Daten und Fakten:
Region
Innsbruck
Ort
Innsbruck