125 Jahre Tirol in der Literatur

Literatur über Tirol

Selbstverständlich wurde über Tirol schon geschrieben, bevor 1889 als Vorläuferin der Tirol Werbung die erste Tourismusorganisation gegründet wurde. Das Bild, das Schriftsteller vom „Land im Gebirg“ entwerfen, ist dabei so vielfältig wie Land und Leute.

Stellen Sie sich vor, Sie steigen am 3. September 1786, um 3 Uhr Früh, in Karlsbad in eine Postkutsche mit dem Ziel, die nächsten Monate, ja, sogar Jahre auf den Spuren von Antike und Renaissance im fernen Italien zu verbringen, neben Ihnen ein Mann Ende dreißig, der mit wachem Geist alles beobachtet, was ihm begegnet … Man braucht nicht viel Imagination für eine solche Szene, schließlich hat jener Herr namens Johann Wolfgang von Goethe alles aufgezeichnet, was ihm auf der Fahrt bis nach Sizilien widerfahren ist. Über Innsbruck schrieb er, wie herrlich es in einem breiten reichen Tale liegt, zwischen hohen Felsen und Gebirgen, und von Innsbruck „herauf wird es immer schöner, da hilft kein Beschreiben“, auch andere Orte und Landschaften wie Seefeld, Scharnitz oder der Brenner fanden sein Gefallen.

Damit reiht sich Goethe in die lange Reihe von Autoren ein, die Tirol besuchten oder durch es hindurchreisten und die sich von Bergen und Tälern, Städten, Dörfern und Menschen bezaubern ließen. Peter Altenberg fiel die „Gletscher-Luft inmitten einer Großstadt“ auf, während Theodor Fontane fand, Innsbruck mache einen „eminent langweiligen Eindruck“. Ernest Hemingway begeisterte sich für die Silvretta, Erich Kästner für die Alpenflora im Zillertal, und „dem Herrn von Montaigne“ erschien das Inntal „als die angenehmste Landschaft, die er jemals sah“.

Ging es um die Menschen, die in Tirol leben, dann ist Niccolò Macchiavelli eine frühe Quelle: Er beschrieb schon 1550 die Tiroler als genügsames Bergvolk, das wegen seiner Bedürfnislosigkeit in Bezug auf prachtvolle Kleidung oder prunkvolle Bauten umso reicher lebte. 272 Jahre später interessierte sich Wilhelm Hauff vor allem für den Kampf der Tiroler gegen Franzosen und Bayern 1809, den er als „Streit zwischen reinem Patriotismus und dem Ehrgefühl einer stolzen Armee“ interpretierte.

Doch nicht alle teilten seine Begeisterung für die Menschen des Landes: Joachim Ringelnatz und Heinrich Heine fanden Örtlichkeit und Bewohner „blöde“, was vielleicht aber nur daran lag, dass beide bei schlechtem Wetter (und damit schlechter Laune) in Tirol weilten. Und nicht zuletzt sind es die in Tirol lebenden Zeitgenossen, die ein ambivalentes Verhältnis zu ihrer schönen und oft zu engen Heimat pflegen – Alois Hotschnig, Christoph Zanon oder Hans Haid, Stefanie Holzer, Irene Prugger, Norbert Gstrein.

Lesenswert sind ihre Texte – ob von Begeisterung getragen oder mit kritischer Distanz – allemal, einen ersten Eindruck verschaffen die Literatur-Landkarte Tirol/Südtirol des Brenner-Archivs oder Sammelbände wie „Innsbruck. Ein literarischer Stadtführer“ von Iris Kathan und Christiane Oberthanner. Wer sich näher mit aktueller Literatur aus und über Tirol auseinandersetzen will, der findet ebenfalls auf der Website des Brenner-Archivs eine ausführliche Liste aller Autorinnen und Autoren aus Tirol von A wie Abermann bis Z wie Zoderer.

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