Palmsonntag in Imst

Imst/Brauchtum

Ostern rückt näher und damit eine Zeit, die mit einem reichen Brauchtum verbunden ist. Am Beginn der Karwoche ist von der nahen düsteren Kümmernis noch nicht viel zu merken. In Imst treten bunt und prächtig geschmückte Palmlatten untereinander in Konkurrenz.

Die gesamte Imster Kirchengemeinde macht sich am Palmsonntag auf den Weg. Ausgehend von der Johanneskirche gehts über den Kreuzweg übers Bergl zur Pestkapelle und schließlich zur Pfarrkirche. Bei aller gebotenen Andacht, schwingen dabei dabei auch durchaus profane Emotionen mit. Denn nach der Prozession wird einfach nur heftig gemessen. Und zwar die Länge der kunstvollen Palmlatten, die von eingesessenen Imstern in den drei Wochen vor dem Palmsonntag angefertigt werden. Korrekterweise spricht man von Bauen, so Florian Doblander, der in der Gruppe der Baggerlatte mitwirkt. Als Grundstoff benötigt man Holz. Es muss zwingenderweise aus heimischen Wäldern und obendrein ganz und gar trocken sein. Am geeignetsten ist ein über Jahre gelagertes Material, nass darf es keinesfalls sein, so Florian Doblander, sonst lassen sich die Latten nicht stemmen.

Und stark soll man schon sein, um eine Palmlatte transportieren zu können: die bisweilen über 35m hohen Gebilde wiegen bis zu 300kg. In einer Prozession werden sie von jungen Burschen mitgeführt und müssen insgesamt dreimal aufgestellt werden: zuerst vor der Kirche, dann vor der Pestkapelle und nochmal vor der Kirche. Schließlich erreicht die Spannung ihren Höhepunkt - es geht ans Messen der Latten: der Rekord liegt bei 40m. Bei 30m spricht man mittlerweile schon fast von einem "Minimum". Charakteristisch für die Imster Palmlatten ist die gebogene Form. Dafür wird der obere Abschluss, der aus einem Haselzweig gearbeitete Zwift, mit einer Schnur in die rechte Position gebracht. Die symbolhafte Form für den bevorstehenden Tod.

Der Einzug in Jerusalem und die Leidensgeschichte - die beiden Themen wurden schon recht früh von Menschen dargestellt. Beim Einzug ritt der Darsteller des Jesus auf einem lebenden Esel ein. Gerne bezog man aber auch prächtig ausstaffierte hölzerne Esel mit ein, die auf Rollen bei der Prozession mitgeführt wurden. Nur sehr wenige Palmeselumzüge, etwa der in Thaur, konnten sich bis heute erhalten. Bei diesen Prozessionen spielen kunstvoll gebundene Palmbuschen, Palmgabeln, Palmstangen oder eben die Palmlatten eine zentrale Rolle.

Info: www.imst.at

www.backlatte.at

www.baggerlatte.jimdo.com

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Daten und Fakten:
Region
Imst
Ort
Imst