„Zeit ist das Wertvollste, was uns ein Besucher zur Verfügung stellen kann“

Wattens, Erweiterung der Swarovski Kristallwelten, Mai 2015

Stefan Isser, Geschäftsführer der SKW

Mit der Erweiterung der Kristallwelten in Wattens beschreitet der Kristallkonzern Swarovski ab Mai 2015 neue Wege. Wir sprachen mit Stefan Isser, Geschäftsführer der Swarovski Kristallwelten, über die Funktion des Kristallmuseums als Präsentationsplattform, Innovationsanstoß und Erlebniswelt.

Herr Isser, die Swarovski Kristallwelten ziehen seit Jahren ein Millionenpublikum an. Warum war es dennoch notwendig, sie zu erweitern und umzubauen?
Stefan Isser: Die Kristallwelten waren immer ein sehr optimiertes und erfolgreiches Modell. Die Halbwertszeit von solchen hybriden Orten nimmt aber massiv ab. Daher sind wir vor der Entscheidung gestanden, entweder den Bestand zu sanieren oder ihn mutig und unternehmerisch weiterzuentwickeln. Die Unternehmerfamilie Swarovski hat sich dazu entschieden, den Ort weiterzuentwickeln, und hat auch die Bereitschaft bekundet, permanent weiter zu investieren.

Welche Ziele verfolgen Sie mit der Neugestaltung?
Stefan Isser: Wir wollten ein Angebot schaffen, das sich auch über den Jahreslauf verändert und auch an Nichtregentagen eine hohe Begehrlichkeit auslöst. Deswegen haben wir auch viele Bezüge zum Außenbereich hergestellt, haben eine Symbiose mit den unterirdischen Wunderkammern geschaffen: Mit dem Garten und der Kristallwolke wird eine besondere Atmosphäre erzeugt, die einlädt und das Staunen erhöht. Natürlich wollten wir auch, dass sich der Riese selbst verjüngt und verwandelt, es gibt fünf neue Wunderkammern, einen neuen Eingangsbereich, das Restaurant und ein neues Tor. Auch ein neues Angebot für Kinder und Familien haben wir ausgearbeitet.

Familien in einem Umkreis von zwei Autostunden verstärkt anzusprechen, war eines der großen Themen bei der Erweiterung der Kristallwelten. Welche Neuerungen gibt es in diesem Bereich?
Stefan Isser: Wir haben auch schon bisher mehrere Tausend Kinder betreut: 50.000 kommen jährlich als Besucher, 7.000 haben an unseren Programmen teilgenommen. Den Heimmarkt Österreich, die Nahmärkte – die Wiederholungsbesucher – sprechen wir mit einem veränderten baulichen Angebot wie dem Spielturm und durch vermehrte Veranstaltungen an. Zeit ist einfach das Wertvollste, was uns ein Besucher zur Verfügung stellen kann, und deshalb ist es uns auch ein Anliegen, die Aufenthaltsdauer zu verlängern.

Wie immer haben Sie mit internationalen (Bau-)Künstlern zusammengearbeitet: Die Norweger Snøhetta haben unter anderem einen Spielturm im Außenbereich gestaltet, Cao Perrot die spektakuläre Kristallwolke. Wie entstehen solche Werke?
Stefan Isser: Wir fragen uns einfach, was Kristall auf einer Metaebene sein kann, welche Bedeutungsräume es geben kann. Natürlich gibt es dann Vorgaben wie das Budget oder Raumgrößen, aber abgesehen davon haben die Künstler sehr viel Freiheit. Dadurch entsteht Innovation, auch für unsere Produktentwickler, die die Ideen dann umsetzen müssen.

Geht es dabei auch um die technische Machbarkeit?
Stefan Isser: Ja, vieles ist hoch komplex, auch wenn es ganz einfach aussieht. Bei der Kristallwolke von Cao Perrot waren Fragen der Statik und Materialität zu lösen. Sie muss den Wettergegebenheiten, die wir in Tirol haben, wie Schnee und Wind, standhalten.
Das ist aber, glaube ich, auch eine der großen Stärken von Swarovski, dass man mit den eigenen Ingenieuren Prototypen erstellt, Ideen realisieren kann. Es gibt in der Firma sehr viel Know-how.

Die Wahl der Architekten Snøhetta für den Spielbereich ist recht ungewöhnlich. Warum haben Sie dieses Team beauftragt?
Stefan Isser: Wir haben uns ganz bewusst nicht für Spielplatzexperten entschieden, sondern haben Partner gesucht, die sich auf ein Experiment einlassen wollten. Gemeinsam mit Snøhetta haben wir versucht, das Spielen neu zu denken. Sie sind das sehr pragmatisch angegangen und haben überlegt, was Kinder gerne tun. Die Antwort war: Sie klettern gerne auf Bäume, und je höher sie klettern, desto sicherer werden sie. Der Umkehrschluss wäre, dass die unsichersten Spielplätze jene sind, auf denen am wenigsten passiert. Natürlich ist es bei uns sicher, aber all diese Überlegungen haben dazu geführt, dass dieses Konzept des horizontalen und vertikalen Spielens im mehrstöckigen Spielturm und dem Außenbereich mit der besonderen Raumerfahrung in dieser Atmosphäre möglich geworden ist.

Als die Kristallwelten vor zwanzig Jahren eröffnet wurden, standen sie mit ihrem spartenübergreifenden (Erlebnis-)Konzept in Tirol recht alleine da. Inzwischen gibt es mehrere Erlebnisorte. Sehen Sie diese Entwicklung positiv?
Stefan Isser: Absolut. All dieses Angebot, das rundherum entsteht, ist gut, weil man damit als Gesamtregion nur stärker wird. Insofern sehen wir auch nicht die Konkurrenz im Nachbarort, weil wir es ja mit anderen Strömen zu tun haben.

Der Konzern Swarovski steht sehr hinter den Kristallwelten. Welchen Nutzen zieht er daraus?
Stefan Isser: Dadurch, dass Kristall eine große Inspirationsquelle für viele Kreative auf der Welt ist, können wir die Wandlungsfähigkeit des Materials demonstrieren, aber auch über den Unternehmensgegenstand hinausgehen und eine Metaebene interpretieren. Die Kristallwelten sind auch eine Plattform der Kommunikation, wo die Marke erlebbar ist, betretbar ist, wo wir die Marke ausdehnen wollen. Dazu gehören auch Bereiche wie Gastronomie, Programmierung, Veranstaltungen. Es gibt ein neues Café und Restaurant in einem Pavillon, der ebenfalls von Snøhetta entworfen wurde, und einen neuen Shopzugang. Der Shop selbst wurde von s_o_s architekten neu gestaltet. Auch das Veranstaltungsprogramm wird ausgeweitet, unter anderem mit Angeboten im Winter. Es geht darum, dass der Ort Kristallwelten immer interessant und viral bleibt. Wir wollen in jedem Bereich, in dem wir die Marke aufbringen, eine erinnerungswürdige, feinstoffliche Atmosphäre schaffen.

Bilder
Kontakt:
Swarovski Kristallwelten
Kristallweltenstraße 1
6112 — Wattens

+43.5224.51080
+43.5224.51080-3831

swarovski.kristallwelten@swarovski.com
http://www.swarovski.com/kristallwelten
Daten und Fakten:
Region
Hall – Wattens
Ort
Wattens

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