Geplauder im Innenhof

Innsbruck/Ausstellung

Was erzählen Höfe oder Betriebe? Gar nicht wenig, wie eine Gruppe Forschungssüchtiger erhoben hat und nun in der Ausstellung "Wiltener Innenhöfe" bis 10. Juli 2015 Interessierten vor Augen und Ohren führt.

Vor etwa zwei/drei Jahren machte sich eine kleine Gruppe auf den Weg, um in den Hinterhöfen und Betrieben des Stadtteils Wilten auf Geschichten zu stoßen, die weitestgehend unbekannt und trotzdem hören- und sehenswert sind. Die Befrager waren im Rahmen eines Tiroler Kulturinitiative-open-Projektes unterwegs und erhielten von den diversen Anwohnern und Nachbarn eine Vielzahl an Objekten und Geschichten zur Wiltener Hinterhofkultur und zu den Besonderheiten der Orte. Für die Präsentation wurde auch eine Erinnerungsdatenbank programmiert, mit der die digitalen Objekte auf den Wiltener Stadtplan gemappt werden können.

Die Idee zur derzeitigen Ausstellung hatte das Forschungsteam-Mitglied Niko Hofinger. Als Wiltener hatte er Sehnsucht, aus den Ergebnissen etwas Sinnvolles zu machen. So installierte er die Ausstellung in der Andreas Hofer Straße und damit so einiges zum Thema Nachbarschaft bei. "Erzählen", so Hofinger, "könne bald jemand etwas, aber Bilder oder Dokumente hat natürlich nicht jeder". Doch es gibt sie, wie man anhand der präsentierten Dokumente aus Dachböden, der alten Telefonanlage des nicht mehr vorhandenen Hotels Mozart oder eines Beschriftungssystems einer eingesessenen Firma sehen kann. Oder wenn man erklärt bekommt, dass um 1930 in jedem Haus zwei/drei Betriebe angesiedelt waren (auf einem unserer Bilder die Herren Nöbl, Fasser, Spötl und Platzer) oder auf einem erstmals öffentlich gezeigten Foto, das trotz seiner ca. 100 Jahre unglaublich gut aufgelöst ist, die Nutzung des Innenhofs Richtung Franz-Fischer-Straße als straff geführten Gemüsegarten erkennen kann.

Der Anblick der Objekte erweckt in so manchem Betrachter Erinnerungen: wie war das Zusammenleben, was wurde im Viertel hergestellt, wie viel Platz wurde Kindern gewidmet, etc. Die städtebauliche und architektonische Erfindung, die wirtschaftliche Entwicklung und die mehrfache Transformation des Viertels zu genau dem Stadtteil, den man heute vorfindet, werden über aufbewahrte Objekte, Bilder, mehr noch aber über die Geschichten, die in den Haus- und Familienerinnerungen bis ins 19. Jh. zurückreichen, in der Nachbarschaft lebendig gehalten. Niko Hofinger: "Was wir am Anfang des Projekts gehofft haben ist eigentlich aufgegangen: Expertinnen und Experten für das ganz normale Leben gibt es in jedem Haus, und die Befragten freuen sich meistens, wenn sich jemand dafür interessiert".

Tipp: Es gibt in der Ausstellung viel zu hören. Mit einem radiofähigen Smartphone oder einem batteriebetriebenen Kofferradio hat der Besucher Vorteile.

Info: "Wiltener Hinterhöfe", Andreas Hofer Straße 14, Innsbruck, bis 10. Juli 2015.

www.niko.hofinger@innweb.at

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Daten und Fakten:
Region
Innsbruck
Ort
Innsbruck