Die Glüxwerkerin

Design aus Innsbruck

Die Tirolerin Mirjam Samweber fertigt seit Anfang 2015 als Ein-Frau-Betrieb „Glüxwerk“ Taschen und Accessoires, zum Teil aus gebrauchten Materialien. Alles von der Idee über das Design, die Erstellung von Schnittmustern, die Verarbeitung und die Präsentation im Internet ist selbstgemacht und fand schnell eine große Anhängerschaft.

Wann haben Sie begonnen, ihre Designideen umzusetzen?

Genäht habe ich schon ein Leben lang. Und Taschen – Frauen und Taschen (lacht) – das hat mich immer schon interessiert. Ich war immer schon Viel-Taschen-Besitzerin und habe selbst Taschen genäht, aber immer nur für den Eigenbedarf, für Verwandte oder Freunde. Ich bin oft darauf angesprochen worden, dass ich das beruflich machen soll. Sehr konkret wurde dieser Gedanke aber erst im Sommer 2014 und nach einer Vorbereitungszeit habe ich Glüxwerk mit 1. Januar 2015 angemeldet.

Sie fertigen ausschließlich Einzelstücke. Woher holen Sie sich Ideen für Ihre Entwürfe?

Ich arbeite in zwei Bereichen, im Design und der Kunstfotografie. In der Kunstfotografie steckt viel von meinem Interesse für Architektur, für Lineares und Details – bis hin zu dem Punkt, an dem das Eigentliche nicht mehr erkennbar ist. Viele Inspirationsquellen finde ich auch in der Natur – in den Formen und der Farbenvielfalt einer Blume oder einer Pflanze. Ich gehe viel auf Ausstellungen, bekomme auf Reisen tolle Eindrücke. Im Kopf rattert es dann die ganze Zeit, wenn ich mir überlege, wie ich etwas umsetzen kann. Ein Beispiel dafür sind Ledergürtel mit Hosenträger-Verschluss. Materialien wie diese finde ich beim Ho&Ruck, oft ist ein Besuch dort auch nur der Auslöser, und ich überlege mir davon ausgehend, woher ich mehr von einem bestimmten Detail bekomme.

Von welchen Ländern haben Sie sich inspirieren lassen?

In Asien habe ich viel gesehen. Das japanische Design ist in seinen Schnitten und Formen sehr reduziert. Daraus habe ich ein Taschenmodell – „Koji“ nach einem Freund von mir aus Japan – entwickelt, für das ich aber andere Materialien verwende. Neopren gibt zum Beispiel einen ganz neuen Effekt.

Materialien spielen überhaupt eine wichtige Rolle – neue ebenso wie gebrauchte. Womit arbeiten Sie besonders gerne?

Leder war immer schon ein Material, das mich sehr interessiert hat, weil es den Charakter verändert, wenn man es trägt, das finde ich schön. Und es ist ein Naturmaterial.
Der Gedanke, Gebrauchtes zu verwenden, gefällt mir auch sehr gut – bis hin zu den Etiketten, die ich aus alten Kartonagen zuschneide. Es wird so viel weggeworfen, dass es sinnvoll ist, zumindest einen kleinen Teil davon wiederzuverwerten.

Sie arbeiten derzeit an Taschen für die Tiroler Landesmuseen. Kommen auch da gebrauchte Materialien zum Einsatz?

Ja, ich bin vor einiger Zeit am Ferdinandeum vorbeispaziert und habe mich gefragt, was mit den großen Werbebannern passiert, wenn die Ausstellungen vorbei sind. Ich bin einfach fragen gegangen, ob ich Taschen daraus machen könnte. So ist diese Kooperation entstanden. Vorläufig ist es aber noch eine kleine Serie, die in den Shops von Tiroler Landesmuseum und Tirol Panorama verkauft werden.

Wie kommen Sie an andere gebrauchte Materialien?

Ein Netzwerk zu haben, ist sehr wichtig. Ich klappere alle möglichen Orte ab, wo ich etwas kriegen kann, zum Beispiel auf Baustellen. Und es wird eigentlich immer positiv aufgenommen, wenn ich nachfrage. Am Schrottplatz habe ich alte Sicherheitsgurte gekauft, von denen verwende ich auch den oberen Teil des Verschlusses. Der untere Teil wäre zu schwer, deshalb habe ich mir als Gegenstück für den Taschenverschluss einen eingenähten Magneten ausgedacht.

Dazu war wahrscheinlich einige Tüftelei nötig …

Ja, mir ist wichtig, dass die Umsetzung gut funktioniert. Ich mache viele Tests, meine Schwester und eine Freundin sind Probeträgerinnen für die Taschen, und wenn etwas nicht praktisch ist, muss ich es auch verändern.
Es muss einen Einklang geben zwischen der Optik und der Funktionalität, es muss anders sein als alles andere, weil der Markt ja voll ist mit solchen Sachen. Die Autogurte sprechen zum Beispiel vor allem Männer an. Ich möchte da ein größeres Modell machen, das Männer als Messenger verwenden können. Mein Mann wünscht sich ja schon lange, dass ich auch Taschen für Männer mache.

Gehen Sie auch sonst auf Kundenwünsche ein?

Ja, wenn jemand zum Beispiel eine bestimmte Größe möchte oder etwas zu verändern ist. Daraus haben sich auch schon interessante Sachen ergeben. Eine Kundin wollte, dass ich eine meiner Taschen noch einmal mache, die sie in der Auslage des „Daima“ gesehen hatte, die aber schon verkauft war. Ich fertige nur Einzelstücke, deshalb habe ich eine andere Lösung im gleichen Schnitt gefunden.

Abgesehen von den Museumsshops und dem Handwerksladen Daima in Innsbruck – wo kann man Ihre Entwürfe noch kaufen?

Ich bin auch auf regionalen Designmärkten, das läuft sehr gut. Im Moment ist das für mich auch die einzige Möglichkeit zu hören, was die Leute gut finden und was nicht. Ich merke auch, dass es für sie etwas Besonderes ist, wenn ein Produkt einen Bezug zur Region hat.

Welche Ideen setzen Sie zurzeit um?

Ich habe ein Sommerprojekt mit Beton gestartet: Wohnaccessoires zum Beispiel für Teelichter und Tischkarten, die ich auf meinem Balkon selbst gieße – mit Original Inn-Sand. Die Grundformen sind ganz einfach, zum Beispiel PET-Flaschen, und ich verändere sie dann und lackiere einzelne Flächen mit Acrylfarbe. Aber ich habe auch sonst noch so viele Ideen, dass ich am liebsten drei Wochen auf einer Almhütte nur nähen würde …

Dann können wir uns ja noch auf viele schöne Glüxwerkprodukte freuen … Vielen Dank für das Gespräch.

Nähere Informationen und Kontakt:
www.glüxwerk.at

Daima Tiroler Handwerksladen

Bilder
Daten und Fakten:
Region
Innsbruck und seine Feriendörfer
Ort
Innsbruck

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