Die Exl-Bühne im Stadtmuseum

Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ausstellung „Eine Vorstellung der Exl-Bühne“, 30.09.2016–31.03.2017

Ilse Exl und Ernst Auer in „Via Mala“

Der wohl berühmtesten historischen Tiroler Theatertruppe, der Exl-Bühne, widmet das Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck vom 30. September 2016 bis 31. März 2017 die Ausstellung „Eine Vorstellung der Exl-Bühne“.

Mehr als 50 Jahre lang – von 1902 bis 1956 – war die Exl-Bühne ein Theaterereignis: nicht nur in Innsbruck und Wien, ihren wichtigsten Standorten, sondern auch auf Tourneen, die sie bis nach Russland und in die Niederlande führten. Weit über 200 Spieltage pro Jahr waren keine Seltenheit, ja sogar als Filmschauspieler konnten sich die Mitglieder etablieren. Gegründet von Ferdinand Exl, der sich als Darsteller bei den Pradler Ritterspielen künstlerisch nicht mehr gefordert fühlte, verlegte sich die Exl-Bühne auf das Volkstheater in allen seinen Ausprägungen: Vom ernsten Fach mit Stücken von Karl Schönherr, Ludwig Anzengruber und Franz Kranewitter bis hin zum lustigen Bauernschwank reichte das gewaltige Repertoire von 300 Stücken. 60 davon, so hieß es, konnten jederzeit aufgeführt werden.

Durchs Foyer auf die Bühne

Was die Exl-Bühne aus historischer Sicht zudem auszeichnete, war die Freude daran, alles aufzubewahren, was mit ihrer Theaterarbeit zu tun hatte: Fotografien, Theaterzettel, Werbungen, Requisiten, Auszeichnungen und vieles andere mehr lagert in österreichischen Archiven und Museen. Aus diesem reichen Fundus haben die Kuratoren und Gestalter der Ausstellung im Stadtmuseum Innsbruck, Renate Ursprunger, Niko Hofinger und Benedikt Haid, einen Gang durch die Geschichte der Exl-Bühne zusammengestellt, der mit den Elementen des Theaters spielt: Die Tür öffnet sich zu einem Entree mit Litfaßsäulen der Hauptdarsteller – darunter Ferdinand und Anna Exl sowie deren Tochter Ilse Exl, Eduard Köck und Ludwig Auer –, an den Wänden zeugen Programmzettel und Szenenfotos von den vielen Stücken, die den Exls zum Teil auf den Leib geschrieben wurden. Exponate zu Bühnenbau, -bild und -technik finden rund um eine kleine Bühne Platz, die im Laufe der Ausstellung auch bespielt wird: Darunter findet sich ein wertvolles Modell der 1919/20 entworfenen Würfelbühne von Hans Fritz aus dem Österreichischen Theatermuseum in Wien und die wichtigsten Requisiten für „Erde“ von Karl Schönherr – karierte Bettwäsche, Sarg, Axt etc. –, eines der Paradestücke der Exls, das sie auch zu ihrem Abschied aufs Programm setzten.

In Europa unterwegs

Überall, wo Deutsch verstanden wurde, hatte auch die Exl-Bühne ihre Auftritte: Ein besonders eindrucksvolles Element der Ausstellung ist die Tourneewand, auf der man die Reisen der Theatertruppe durch ganz Europa verfolgen kann. Zahlreiche Rezensionen finden sich daneben, gemalte Porträts der Bühnenstars, Auszeichnungen und Fotografien mit berühmten Persönlichkeiten. In diesem Bereich wird besonders deutlich, wie sehr die Theaterleute auch von den Zeitläuften und politischen Umwälzungen betroffen waren – von der Zensur, die die sozial- oder kirchenkritischen Passagen der Volksstücke eliminierte, über die Spielpläne, die Ereignissen wie dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs angepasst wurden, bis hin zur Einbindung der Exl-Bühne in das Kulturprogramm und die Truppenbetreuung im Nationalsozialismus. Letztere fand nicht nur für Soldaten statt, sondern auch mitten im Vernichtungslager Auschwitz für das Wachpersonal.

Theater im Auf und Ab der Geschichte

Aus der Zeit des Nationalsozialismus datieren auch einige Filme wie der „Meineidbauer“ und „Erde“, denen ein eigener Ausstellungsraum gewidmet ist. Zum Teil kam, was vor 1945 gedreht wurde, erst nach 1945 in die Kinos, abgesehen davon, hatte es die Exl-Bühne aber zunehmend schwerer, an die Erfolge der vorangegangen Jahrzehnte anzuknüpfen. 1956, nach dem Tod der letzten Theaterleiterin Ilse Exl, gab sie ihre letzten Vorstellungen, „Erde“ im Tiroler Landestheater und bei einem Gastspiel in Südtirol. An die große Zeit der Exl-Bühne erinnern sich in Tirol noch viele, die in der Ausstellung nicht nur nostalgische Anknüpfungspunkte finden werden. Andere, die nicht mit den Exls groß geworden sind, können im Stadtmuseum in eine ganze Welt des (Volks-)Theaters und der Geschichte eintauchen.

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Kontakt:
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Daten und Fakten:
Region
Innsbruck und seine Feriendörfer
Ort
Innsbruck

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