Thomas Bernhard: „Am Ziel“

Innsbrucker Kellertheater, Am Ziel von Thomas Bernhard, bis 4.3.2017

Im Innsbrucker Kellertheater glänzt Eleonore Bürcher in einer Paraderolle. Noch bis 4. März 2017 spielt sie in Thomas Bernhards „Am Ziel“.

Eine Beziehungskonstellation, wie sie schlimmer kaum sein könnte: Nicht eine amour fou oder klassisches Liebessehnen regiert hier, sondern die alles kontrollierende, auf alles und alle herabblickende Mutter. Vom Lehnstuhl aus, geschützt durch ein nicht näher benanntes und wohl vorgeschobenes Leiden, ergeht sie sich in endlosen Tiraden gegen ihre schicksalsergebene Tochter und den Rest der Welt. Eine Möglichkeit, das grausame Familiensystem aufzubrechen, könnte sich durch den „dramatischen Schriftsteller“ auftun, der auf Einladung der Mutter die beiden Frauen ans Meer begleiten soll. Die Hoffnung währt nur kurz, am Ende herrschen wie am Anfang Unterdrückung, Ratlosigkeit und Resignation.

Im Innsbrucker Kellertheater ist die Szenerie grau wie die Stimmung. Nur die eleganten Kleider, die für die Reise verpackt, aber wohl nie mehr getragen werden, zeugen von vergangenem Glanz. Eleonore Bürcher monologisiert in der Inszenierung von Manfred Schild unvergleichlich spitzzüngig und treffend, die Tochter (Bernadette Heidegger) leidet still, aber aussagekräftig vor sich hin und hat, wie auch der „dramatische Schriftsteller“ (Johannes Gabl) dem mütterlichen Wortschwall kaum etwas entgegenzusetzen. Trotz der sprachlichen Dichte wird vieles gerade nicht durch Worte gesagt, sondern durch Gesten und Blicke – Regie, Ausstattung und Darsteller zeigen auf dieser Ebene, wie großes Drama funktioniert, wenn das Wesentliche zwischen den Zeilen zu lesen ist.

Bilder
Kontakt:
Innsbrucker Kellertheater
Adolf-Pichler-Platz 8
6020 — Innsbruck

+43.512.579964
reservierung@kellertheater.at
http://www.kellertheater.at

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