Auf der Gass’n, auf’m Berg

Hall, Rattenberg, Freilichttheater, Juli und August 2017

Politisches Geplänkel auf der Bühne

Die Haller Gassenspiele und die Schlossbergspiele Rattenberg machen den Sommer 2017 zum Theaterspaß: barock und bodenständig, sozialkritisch und lustig. Zu sehen im Juli und August 2017.

Manchmal geht es ganz schön wild zu, wenn unter freiem Himmel gespielt wird: etwa im vergangenen Jahr, als die Haller Gassenspiele mit Dario Fo ausriefen „Bezahlt wird nicht!“ und in der Kaufmannsstadt Hall so viel antikapitalistischer Scherz gar nicht so gerne gehört wurde. Im Allgemeinen aber gelingt es den Profi- und Laienschauspielern rund um Regisseur Alexander Sackl perfekt, die feine Linie zwischen Sozialkritik und harmlosem Spaß entlang zu balancieren. Seit man 2011 begonnen hat, auf den Plätzen der Stadt sommers Theater zu spielen, gehören die Haller Gassenspiele zu den Aushängeschildern qualitätvollen Volkstheaters. Jedes Jahr wird ein anderer Platz bespielt, werden Bühne und Lichtkonzept daran angepasst. 2017 ist es der Hof des Bezirksgerichts, und das Stück ist Peter Turrinis „Der tollste Tag“ nach Beaumarchais „Die Hochzeit des Figaro“.

Peter Turrini trifft

Bei Turrini trifft jedes Wort, darüber sind sich die Spieler einig. „Turrini“, so sagt Georg Mader, Darsteller des Figaro, „schafft es, gerade in Stoffe, die grundsätzlich leichte Unterhaltung bieten, einen moralischen, kritischen, aber dennoch unaufdringlichen Unterton hineinzubringen. Als Zuschauer kann ich entscheiden, ob ich diesen Unterton aufnehme und darüber nachdenke oder ob ich das nicht tun will.“ Alles sei so genau gemacht, dass man kein Wort streichen müsse, ergänzen Christina Matuella (Marcelline) und Alexander Sackl, dazu sind die Rollen vielschichtig und gewinnen im Laufe der Arbeit daran immer noch dazu.

„Die Kluibenschädel-Saga“ unterhält

Mit dem Stück, das einerseits eine barocke Geschichte aufgreift und in barocken Kostümen gespielt wird, und andererseits allgemeingültige, also auch heute aktuelle Inhalte vermittelt, ist die Bühne ganz nah an den Menschen – so wie Volkstheater eben sein soll. Ähnliches, wenn auch mit den Mitteln der handfesten Satire, versuchen die Schlossbergspiele Rattenberg mit einem Stück des Tiroler Autors Manfred Schild, das dieser auch selbst inszeniert. „Die Kluibenschädel-Saga“ ist eine Satire auf das politische Harmoniebedürfnis in den Alpen, auf Tourismuswahn und Einheitsdenken und damit auch eine eher ungewöhnliche Wahl für die Schlossbergspiele Rattenberg. Gegründet 1951, zählen sie zu den traditionsreichsten Freilichtbühnen Tirols und spielen oft Stücke mit historischem Bezug, Werke von Tiroler Autoren wie Felix Mitterer oder moderne Klassiker und klassische Komödien. Dennoch ist man auch in Rattenberg überzeugt, dass Schilds moderne Politsatire gut ankommen wird. Schließlich lacht es sich über das, was man auch im Alltag kennt, ja oft doppelt gut.

Haller Gassenspiele 2017
„Der tollste Tag“ von Peter Turrini
9.7.–5.8.2017
www.gassenspiele.at

Schlossbergspiele Rattenberg 2017
„Die Kluibenschädel-Saga“ von Manfred Schild
30.6.–5.8.2017